„Ich nicht, ich gewiß nicht. Nur denke ich, bei uns behandelt jedermann die Gefangenen gut.“

„Gut, was heißt gut? Neulich erzählte mir jemand, daß elf französische gefangene Offiziere, denen Schweinebraten und Sauerkraut vorgesetzt worden waren, diese Speise, die ihnen nicht behagte, mitsamt den Tellern unter die Bank geworfen haben. Diese Gefangenen waren zu gut behandelt worden, sonst hätten sie sich solche Frechheit nicht erlaubt. Zu gut ist aber nicht mehr gut, zu gut ist schlecht, macht uns lächerlich und verächtlich in den Augen der Feinde. Nur wer streng ist und mit festem Charakter auftritt, kann die Güte zeigen, die nicht mißbraucht wird.“

Da erwiderte seine Frau nachdenklich: „Ja, ich glaube, daß dir das gelingen würde; du könntest da Gutes wirken. Du könntest nicht, du kannst. Wenn du mich fragst, ich halte dich nicht zurück, zu helfen, ich will die Trennung tragen.“

„An der tragen wir beide gleich schwer,“ sagte der Mann und fühlte, wie weh ihm der Abschied tun würde, den er doch freiwillig auf sich nahm.

Schon nach kurzer Frist kam die Einberufung, kam die Trennung und die große Stille im Haus. Aber an dem Abend, da Mutter und Tochter zum ersten Male zu zweien am Tisch saßen und ihre Vereinsamung so recht schmerzlich empfanden, traf ein Telegramm ein von Wilhelm. Es lautete: „Komme morgen mit ganz leichter Verwundung einige Wochen heim.“

Ja, eine schwere Zeit, aber eine Zeit voll Überraschungen ist der Krieg!

Der junge Professor

Als das neue Schuljahr begann, hatten wenige von den Schülern und auch wenige von den Lehrern Freude daran. Während der Ferien war der Krieg ausgebrochen; seitdem mochte man nichts hören, nichts reden, nichts lesen als vom Krieg; und nun sollte wieder Schule gehalten werden, wie wenn es gar keinen Krieg gäbe!

Einer aber freute sich doch darüber. Das war der junge Lateinschullehrer Jahn. Er lebte mit seinen alten Eltern zusammen, war ihr einziger, geliebter Sohn, und die drei verstanden sich prächtig. Aber still war es in diesem Heim, und so freute sich der junge Mann immer schon am Ende der Ferien auf die Zeit, bis er wieder seine Jungen in der Klasse um sich hatte.

In diesem Jahr ganz besonders. Mit ihnen zusammen wollte er die großen Kämpfe durchleben und sich über die deutschen Siege freuen, mit ihnen, den künftigen Soldaten Deutschlands!