Im Monat August durchbrauste ganz Deutschland die frohe Kunde von dem glänzenden Sieg, den der bayrische Kronprinz Rupprecht mit seiner tapferen Armee in Lothringen errungen hatte. Von nah und fern jubelte man dem Sieger zu und wünschte ihm aus dankbarem Herzen alles Gute. Aber mitten in diese Glückwünsche traf den Kronprinzen die Botschaft eines schweren Unglücks. Sein ältester Sohn, der Erbprinz Luitpold, erkrankte an einer Halsentzündung und starb fern vom Vater, in Berchtesgaden.

Tief erschüttert war der Kronprinz von der Trauerkunde; aber er gab sich nicht dem Schmerz hin, sondern sprach die tapfern Worte: „Jetzt ist nicht Zeit zu trauern, es gilt zu handeln.“

Die Teilnahme am Tod des jungen Prinzen war ganz allgemein. Man kannte in München Prinz Luitpold wohl. Er besuchte das Gymnasium und wollte dort keinen Vorzug vor anderen Schülern haben. Wenn ihn ein Lehrer mit „Königliche Hoheit“ oder ein Schüler mit „Sie“ anredete, so verbat er sich dies und verkehrte ganz kameradschaftlich mit den Klassengenossen. Als er zum Sommeraufenthalt in Berchtesgaden weilte, fehlte es dort—wie überall—in der Kriegszeit an Erntearbeitern; und es erging an die Jugend die Bitte, zu helfen und die Männer auf dem Feld zu ersetzen. Prinz Luitpold war sogleich bereit, dem Ruf zu folgen und half tapfer mit bei der schweren Feldarbeit. Die Erinnerung daran ist in dem folgenden Gedicht festgehalten:

Auch ein junger Königsprosse,
Dem der Sinn nach „Dienen“ stand,
Steigt von seiner Väter Schlosse,
Bietet freudig seine Hand.

Zu der ungewohnten Mühe
Auf dem Feld im Sonnenbrand,
Gleich den Andern spät und frühe,
Tapfer in der Reih' er stand.

Schweigend schau'n die Berge nieder,
Dunkel liegt der Königssee,
Nirgends tönen frohe Lieder,
Auf der Welt rings lastet Weh.

Zarter, lieber Königsknabe,
Banges Ahnen faßt mich an,
Daß du dort zu deinem Grabe
Selbst den Spatenstich getan!

Denn indes dein Heldenvater
Sieg auf Sieg der Welt verschafft,
Hat dich kleinen Erntehelfer
Schnitter Tod hinweggerafft.

Mag des Helden Herz erschauern,
Da von fern dies Wort er spricht:
„Jetzt ist nicht Zeit zu trauern,
Handeln heischt allein die Pflicht!“

Doch indes er weiter lenken
Muß das Schicksal der Armee,
Sehnend wird er heimwärts denken,
Manche Nacht in tiefen Weh: