"Ach, ich bin ganz wirr im Kopf vor Schrecken!"

"Das paßt jetzt gar nicht. Im Gegenteil, Sie müssen Ihre Gedanken fest zusammennehmen, damit Sie nichts vergessen."

Die Frau eilte davon, Frau Dr. Stegemann ging in die Küche zum Mädchen. Das hatte die Verhandlung gehört. "Frau Doktor," sagte sie, "wenn ich nur hätte dazwischen reden dürfen. Das Kind ist nicht gut zu haben, die Frau ist so unvernünftig mit ihm, trägt es und kocht ihm bei Nacht, alle Leute im Hinterhaus sagen es. Frau Doktor, jetzt wird's doch zuviel für uns!"

"Zuviel? Liese, im Kriegsjahr gibt's kein 'zuviel' für mich, und für Sie hoffentlich auch nicht!"

"Aber seine Nachtruhe kann man doch wenigstens verlangen."

"Meinen Sie? Fragen Sie doch Ihren Bräutigam, ob er sagen darf: 'Bei
Nacht wird mir das Schießen zuviel, da will ich meine Ruhe!'"

"Wenn man auch immer an den Krieg denkt! Das tun nur Sie, Frau Doktor!"

"Sie doch auch, Liese? Haben wir nicht miteinander zuerst das Backen abgestellt, und die Kübel für das Schweinefutter eingeführt, und nicht geruht, bis sie nach und nach in der ganzen Straße herauskamen? Ich möchte jetzt gar keinen Menschen um mich haben, der nicht immerfort fühlt: 'Jetzt ist Krieg, wie helfe ich?'"

Liese überlegte. "Dann will ich eben den kleinen Balg nehmen bei Nacht."

"Den nehme ich schon selbst, denn Sie müssen morgens früh heraus."