„Das wissen wir selbst nicht recht. Jedenfalls noch immer in der Luft und noch nicht auf festem Boden,“ antwortete Professor Piller.

„So müssen wir die Ventile öffnen und den Weltensegler langsam und vorsichtig zum Fallen bringen,“ entschied Stiller.

„Aber fühlen Sie sich auch wieder so kräftig, die Leitung des Ganzen übernehmen zu können?“

„Es muß einfach sein!“ Mit diesen Worten erhob sich Professor Stiller, um sich zunächst durch einen Blick aus dem Fenster über die örtliche Lage des Ballons zu orientieren.

Richtig, da unten, nur wenige Kilometer vom Weltensegler entfernt, hob sich scharf und deutlich eine breite, mächtige Wasserstraße ab, eine dunkelgrüne, subtropische Vegetation umrahmte den Flußlauf. Dazwischen eingestreut zeigten sich, vom warmen Sonnenschein übergossen, wohlbebaute Felder und Gärten. Eigenartige, von weitem blendend weiß erscheinende Bauten bewiesen die Nähe belebter Wesen. Die laute Begeisterung, die die kühnen Weltfahrer einst bei der Passage des Erdmondes erfaßt hatte, machte hier einer stummen Bewunderung Platz, als sie dankerfüllten Herzens gegen das Geschick, das sie im letzten Augenblicke noch vor dem Äußersten bewahrt hatte, von ihrer Gondel auf die märchenhaft schöne Landschaft hinabschauten, der sie nun in raschem Fluge näherkamen.

Viertes Kapitel
Auf dem Mars

Vom Mars aus — denn er war es wirklich — hatte man das Luftschiff schon längst bemerkt. Als es sich nun dem Boden näherte, strömte eine Anzahl von Menschen, die hier herum wohnten, dem Orte zu, an dem das Luftschiff niederging. Der Weltensegler hielt auf eine große, grüne Wiese zu, auf der Gruppen edelster Viehrassen weideten. Professor Stiller warf das Kabel mit dem Anker in weitem Bogen von der Gondel ab und deutete durch Zeichen und Gebärden den untenstehenden Menschen an, was sie ungefähr tun sollten, um das Luftschiff festzumachen. Die Marsleute begriffen auch sofort, was der fremde Mann in seiner stummen Sprache von ihnen begehrte. Ohne jede Hast, aber doch rasch und auffallend gewandt, war dem Wunsche des Professors entsprochen worden. Nun lag das Fahrzeug fest und sicher vor Anker.

Die Strickleiter wurde aus der Gondel herabgelassen und an den hiezu bestimmten Metallklammern befestigt. Die sieben Männer aus dem fernen Schwabenlande stiegen nacheinander an ihr herab, um als die ersten Erdgeborenen den Boden des Mars zu betreten. Eine weiche, balsamische, von Wohlgerüchen erfüllte Luft umfing die kühnen Reisenden, als sie aus ihrer Gondel herabgeklettert waren. Ein Gefühl der Wonne, des Geborgenseins, unsäglicher Befriedigung zog in die Brust der armen, halbtoten Männer, als sie nach so vielen Wochen zum erstenmal wieder festen Boden unter ihren Füßen spürten. Ja, sie mußten sich selbst erst überzeugen, daß es wirkliche Erde sei, auf der sie standen. Mit den Händen griffen sie nach dem Boden, um sich von seiner erdigen Beschaffenheit zu überzeugen. Nein, es war kein Traum, es war Wirklichkeit: sie standen auf richtigem Boden. Tausend-, abertausendmal Dank dem Himmel, der sie ihr Ziel erreichen ließ! Tränen des Glückes, der reinsten Freude liefen den hartgeprüften Männern über die bärtigen Wangen, die seit langer Zeit nicht mehr gepflegt worden waren.

„Donnerwetter, wie sehen wir aus!“ rief voll Entsetzen Professor Piller, als er seine Genossen genauer im Lichte der Sonne betrachtete.

Dann aber brachen die Herren in lautes Lachen über die Komik ihres eigenen Äußern aus. Professor Stiller begann nun, die ihn und seine Genossen umgebenden Menschen zu mustern. In der Tat, das waren Menschen von Fleisch und Blut, die hier herumstanden und mit freundlichem Lächeln die Erdensöhne betrachteten.