Das Schlimme war, daß der Geschwindigkeitsmesser unbrauchbar, funktionsunfähig gemacht worden war. An eine Reparatur des Werkes während der Fahrt war gar nicht zu denken. Dieses peinliche Ereignis zog einen bösen Strich durch alle Berechnungen Professor Stillers und raubte ihm jede Möglichkeit der Kontrolle. Nun war alles dem blinden Zufall ausgeliefert. An die Stelle genauer Berechnung trat jetzt ausschließlich die Vermutung. Diese aber öffnete wieder allen trüben Gedanken Tür und Tor.
Weiter rollte die Zeit und weiter der Ballon auf seinem Wege. Die Lebensmittel waren schon derart zusammengeschmolzen, daß trotz der geringen Eßlust der Gondelbewohner in kürzester Zeit Nahrungsmangel eintreten mußte. Auch der Vorrat an elektrischer Energie nahm in schreckenerregender Weise ab. Wollte also Professor Stiller sich und seinen Gefährten nur noch für wenige Tage Licht und Wärme erhalten, so mußte sofort mit der Abgabe der elektrischen Kraft in den Ätherraum hinaus aufgehört werden. Schweren Herzens stellte daher der Gelehrte die Verbindung nach außen hin ab.
Was werden die nächsten Tage bringen? In ihrem dunklen Schoße lag das Schicksal, das Glück oder der Untergang der Expedition. Das elektrische Licht in der Gondel fing an schwächer zu werden; eine empfindliche Kälte, die sich trotz der Pelzkleidung der Männer nicht länger mehr bannen ließ, machte sich mehr und mehr geltend. Ein dumpfer, gleichgültiger Zustand hatte sich aller Gondelinsassen bemächtigt, der nach und nach in eine Art von Bewußtlosigkeit überzugehen begann. Langsam schien das Ende für die Dulder heranzukommen. Lange, bange Stunden verstrichen so; kein Laut ließ sich mehr in der Gondel vernehmen. Da auf einmal ein gewaltiger Stoß. Ballon und Gondel flogen zur Seite und schienen sich zu überschlagen. Die armen Männer in der Gondel flogen übereinander, schlugen gegenseitig aufeinander auf und begannen aus ihrem todesartigen Schlummer aufzuwachen.
Furchtbar erschrocken über die heftige Erschütterung, gelang es den Herren nach langen Anstrengungen sich endlich aufzurichten. Als sie schließlich mühsam die Augen zu öffnen vermochten, da fiel durch die zertrümmerten Fenster der Gondel helles, strahlendes Sonnenlicht herein. Es bedurfte einiger Zeit, bis die schmerzenden Augen der Reisenden sich an das so lange entbehrte Licht der Sonne wieder gewöhnt hatten. Dann aber war plötzlich alle Lethargie von ihnen gewichen.
Professor Stiller war der erste auf den Füßen. Unbekümmert um eine mögliche Gefahr, streckte er mutig den Kopf zu einem Fenster hinaus, um die Ursache des Zusammenstoßes des Weltenseglers mit einem andern, fremden Körper zu erforschen; denn daß ein solcher stattgefunden haben mußte, war dem Gelehrten sofort klar.
„Hurra! Hurra!“ rief er, aufgeregt vom Fenster zurücktretend, seinen Gefährten zu. „Hurra! Wir sind gerettet! Wir haben den kleinen Marsmond Phobus, glücklicherweise nur sehr leicht, gestreift. Die äußerste Hülle unseres Ballons ist allerdings gerissen und auch sonst ist, wie ich sehe, vielerlei Schaden entstanden, aber das ist gleichgültig! Seht hier hinab, da unten, da unten liegt der Mars! Gerettet, ge . . . .“ Professor Stiller fiel zurück. Eine tiefe Ohnmacht umfing ihn.
Professor Pillers energischen Anstrengungen gelang es endlich, den Bewußtlosen dem Leben zurückzugeben.
„Wo sind wir?“ fragte Professor Stiller mit schwacher, kaum vernehmbarer Stimme.