„Übrigens, meine Freunde, haben Sie noch nicht die auffallend schönen Augen unserer Marsmenschen bewundert?“ fragte Piller im Weiterschreiten.
„Ihre Größe und ihr schöner Glanz stechen allerdings stark gegen Größe und Glanz der unsern ab. Ein merkwürdiges Leuchten geht aus diesen Spiegeln der Seele bei unsern Marsleuten hervor.“
„Ganz richtig beobachtet, Stiller! Das satte Blau der Iris habe ich in dieser vollendeten Schönheit früher noch niemals gesehen. Es ist die Idealfarbe des edeln Auges. Und dieses lockige, reiche Haar! Wahre Zeus- und Junogestalten! Frommherz hatte heute recht mit seinem Vergleiche.“
„Nicht wahr?“ rief dieser erfreut über Pillers laute Anerkennung. „Körperlich wie geistig gleich hochstehende Menschen scheinen mir die Marsbewohner zu sein.“
„Für diese Gegend wenigstens scheint Ihr Urteil zu stimmen nach dem, was wir heute erfahren haben,“ erwiderte Stiller.
Da die Sonne untergegangen war, so beschlossen die Herren aus dem Schwabenlande, für heute den Spaziergang zu beenden und in ihr Heim zurückzukehren. Dort wollten sie den Besuch des würdigen Greises erwarten, um von ihm auf die Sternwarte geführt zu werden. Sie befanden sich noch unterwegs, als die Nacht ihre dunklen Schwingen über die Landschaft auszubreiten begann. Im Osten wurde es hell und heller. Der Mond tauchte auf und warf sein klares Licht auf die stille, friedvolle Gegend.
„Das ist der große Marsmond, Deimos genannt, der uns da leuchtet,“ erklärte Professor Stiller seinen Gefährten. „Wenige Augenblicke nur, und Sie werden den zweiten Trabanten des Mars sehen, mit dem wir, wenn auch glücklicherweise höchst oberflächlich, letzte Nacht in peinliche Berührung gekommen sind.“
Richtig, da kam auch der kleine Phobos über den Horizont gestiegen.
„Welch prachtvolles Schauspiel!“ rief voll Entzücken Stiller. „Wahrlich, die Marsbewohner brauchen keine künstliche Beleuchtung ihrer Nächte! Sie haben nicht nur jede Nacht vollen Mondschein, sondern sie besitzen auch gleich zwei Himmelsleuchten.“
„Ein merkwürdiger Weltkörper, dieser Mars, fürwahr!“ entgegnete Piller, einen Augenblick stehen bleibend und die beiden Monde betrachtend, deren fast taghelles Licht eigenartige, reizvolle Schattenbilder hervorbrachte.