„Ein lebendig gewordenes Märchen. Das wäre wieder ein neuer Anlaß für Sie zu trinken, Piller,“ spottete Dubelmeier.

„Warum denn nicht, alter Freund, warum denn nicht? Es scheint mir aber nach dem, was wir heute schon erlebt haben, auf dem Mars so viel Bewunderungswürdiges zu geben, daß die Anlässe zum Trinken sich denn doch zu bedenklich mehren dürften. Mein Wahlspruch aber ist gleich dem des alten griechischen Weisen: Nichts zuviel!“

Dubelmeier lachte laut auf.

„Lachen Sie nicht so töricht, altes Wasserhuhn, und folgen Sie selbst lieber diesem Beispiele in Ihrer übertriebenen Wassertrinkerei! Das rate ich Ihnen schon vom Standpunkte der modernen Heilkunde aus.“

„Die Monde kommen mir hier oben bedeutend größer vor als z. B. unten unser Trabant,“ bemerkte Frommherz, die eingetretene Stille unterbrechend.

„Nur Täuschung, mein Lieber!“ erklärte Stiller. „Die Monde des Mars sind beträchtlich kleiner als der Mond unserer Erde, sie sind aber bedeutend näher am Hauptplaneten, als dies bei unserm Monde der Fall ist. Phobos hier ist vom Mars nur etwas über 9000 Kilometer, der große Deimos nicht mehr als etwa 23500 Kilometer entfernt. Daher kommt es, daß diese Trabanten des Mars so übermäßig groß erscheinen.“

Unter diesen Gesprächen gelangten die Herren vor ihr stattliches Heim. Dort erwartete sie bereits ihr aufmerksamer Gastgeber, der ihnen heute schon so viel Gutes erwiesen hatte. Im Mondschein erschien den Herren die hohe Gestalt des Alten womöglich noch feierlicher als im Lichte des Tages, das lange, wallende weiße Haar noch silberner, glänzender.

„Sieht er nicht aus wie ein Patriarch aus der alten jüdischen Zeit, in der Sittenreinheit und Einfachheit des Volkes herrlichste Tugenden waren?“ fragte Professor Stiller leise seinen Kollegen Frommherz.

„Wahrhaftig, Sie haben recht!“ entgegnete dieser. „Nennen wir unsern Alten, dessen Namen uns noch unbekannt ist, einfach Patriarch. Diese Bezeichnung paßt prächtig auf ihn, hat er uns doch heute unter seinen väterlich milden Schutz genommen.“

Nach einer kurzen, stummen Begrüßung geleitete der Alte die Erdensöhne nach dem mit einem Kuppelbau versehenen Hause. Der Weg dahin führte durch eine Art von Wald voll großer wohlgepflegter Bäume, auf deren dunkelgrünen, glänzenden Blättern die zitternden Strahlen der Monde ihr neckisches Spiel trieben. Millionen von Leuchtkäfern schwirrten in der weichen Nachtluft unter den Bäumen, und das bläulich schillernde Licht der lautlos dahinhuschenden Tiere machte den Eindruck kleiner, in rascher Bewegung begriffener Sternchen. Muntere Bächlein, über die zierliche Brücken führten, kreuzten oft den Weg.