„Keine Stunde länger als unumgänglich notwendig bleibe ich in diesem fürchterlichen Käfig,“ entschied Hämmerle, und ihm pflichteten Dubelmeier und Brummhuber bei.
„Nun, wenn es so mit Ihnen steht, so landen wir, wo es eben möglich ist,“ antwortete in gewohnter Ruhe Stiller. „Wir müssen aber Sorge dafür tragen, daß wir in zivilisierter Gegend absteigen und nicht aus Versehen in den offenen Ozean geraten.“
„Das recht zu machen, ist Ihre Sache, Stiller,“ entschied Piller. „Und nun, Gefährten, nehmen wir einen Schluck des herrlichen Marsweines als Ausdruck unserer Freude über die glücklich vollendete Reise! Dubelmeier, zu meiner innigen Freude und aufrichtigen Genugtuung haben Sie sich auf dieser Fahrt vom Saulus in einen Paulus verwandelt und an Stelle des Wassers den edlen Wein gesetzt. Also trinken wir!“
Während die übrigen Herren den Pokal, eine wunderbare Marsarbeit und ein Geschenk von Angola her, kreisen ließen, hatte Herr Stiller die Ventile des Luftschiffs gelockert und eines der Gondelfenster geöffnet. Der Weltensegler fiel rasch abwärts.
„Täuscht mich nicht alles, so schweben wir gerade über der australischen Ostküste,“ sprach Herr Stiller, nachdem er einen raschen Blick aus dem Gondelfenster geworfen hatte. „Wir werden bei Brisbane in Queensland landen.“
„Prächtig, Stiller, alter Knabe! Prosit! Da, nehmen Sie auch einen Schluck!“
Piller wollte gerade seinem Kollegen den Pokal mit dem Weine reichen, als plötzlich ein furchtbarer Windstoß die Gondel traf und mitsamt dem Luftschiff in eine drehende, wirbelnde Bewegung versetzte. Der Pokal fiel zu Boden, und die Herren selbst mußten sich an den nächsten festen Gegenständen in der Gondel festhalten, um nicht wie Bälle herumgeschleudert zu werden.
„Wir sind im letzten Augenblick in einen Zyklon geraten, wie sie hier herum häufig sind,“ schrie Stiller seinen erschrockenen Gefährten zu. „Nun heißt es, allen Mut zusammennehmen. Der blinde Zufall ist jetzt unser Führer.“
In unverminderter Stärke und Heftigkeit wütete der Orkan während der folgenden bangen Stunden. Der Wind pfiff heulend durch das offene, zerschmetterte Fenster der Gondel und wirbelte in ihr alles herum, was nicht befestigt war. In dem fürchterlichen Toben des Orkanes war jede Verständigung ausgeschlossen. Die Insassen der Gondel mußten sich schließlich der größeren Sicherheit wegen auf den Boden legen. Hilflos trieb das Luftschiff dahin, wohin es der rasende Sturmwind trug. Es war ein tragisches Verhängnis, das im letzten Augenblick der Reise, kurz vor der Landung auf der Erde, die Reisenden traf. Und dabei bestand noch die große Gefahr, daß der Weltensegler ins offene Meer treiben, und die Expedition, die die ungeheure Reise nach und von dem Mars bisher so glücklich überwunden hatte, zum Schlusse noch ertrinken werde.
Traurige, trübe Gedanken bewegten die Männer. So war eine Reihe von Stunden vergangen. Der Tag, der so vielversprechend begonnen hatte, neigte sich seinem Ende zu. Die Gewalt des Sturmes schien nachzulassen. Möglich auch, daß der Weltensegler gegen die Peripherie des Wirbelsturmes hinausgetrieben worden war, kurz, die tolle Fahrt durch die Luft verringerte sich zusehends, und die Herren konnten endlich ihre unbequeme Lage verlassen und Ausschau halten. Zu ihrer Freude nahmen sie wahr, daß der Ballon in eine weite, geräumige Bucht eintrieb, deren Hintergrund ein Wald von grünen Kokospalmen bildete, umsäumt von freundlichen, kleinen Häusern.