„Das alles ist nicht das, was ich will. Ein Heim mein eigen nennen, in Generationen fortleben . . .“
„Nun verstehe ich dich endlich, lieber Freund Fridolin,“ begann Bentan ruhig, als der Erdensohn, plötzlich unsicher geworden, in seiner Rede stockte. „Du möchtest heiraten. Ist es nicht so?“
„Getroffen!“ gestand der Gelehrte, ordentlich froh, von Bentan so rasch begriffen worden zu sein.
„Zu jung dazu bist du nicht mehr,“ warf Bentan lächelnd ein.
„Nicht wahr? Das finde ich ebenfalls.“
„Ich möchte aber bezweifeln, ob sich dein Wunsch verwirklichen läßt. Du bist ein Sohn der Erde und gehörst auch in der Liebe zu ihr. Was Lichtentsprossen ist, soll sich wieder mit Lichtentsprossenem verbinden, nicht mit Fremdem. Von einem Durchbrechen dieser Auffassung verspreche ich mir persönlich nichts Gutes. Doch ferne sei es von mir, dir jede Hoffnung nehmen zu wollen. Prüfe dich nochmals, und dann handle. Du weißt, daß bei uns keine materiellen Erwägungen bei der Eheschließung mitsprechen. Bei uns hat die Frau eine vornehme und hohe Stellung in der Kultur gerade deshalb, weil sie sich bescheidet, die Ergänzung des Mannes zu sein. Frei wählt sie denjenigen Mann, dessen Persönlichkeit mit der ihren wirklich und wahrhaftig wahlverwandt ist. Mit dem, was er ist, mit seiner ganzen Stellung wirbt bei uns der Mann um das Weib. Dadurch ist bei uns die Eheeinrichtung zu einer hehren Wahrheit geworden, die sich sehr scharf von den ehelichen Zuständen der Erde unterscheidet, über die, wie ich mich noch genau erinnere, als deine Gefährten noch bei uns weilten, ihr uns hier in Angola Vortrag gehalten habt.“
„Warum soll aber dieser Unterschied eine Erfüllung meines Wunsches unmöglich machen? Auch auf der Erde gibt es, glaube es mir, edler Bentan, manche glückliche Ehen, die nach denselben oder doch ähnlichen Grundsätzen geschlossen worden sind wie hier oben.“
„Das mag sein. Es sind und bleiben aber seltene Ausnahmen. In dieser Richtung sind mir eure völlig miteinander übereinstimmenden und vernichtend lautenden Urteile allein maßgebend. Deine Brüder waren viel zu ernste und wahre Männer, als daß ihre Aussagen dem geringsten Zweifel unterzogen werden dürften. Im übrigen habe ich dir nur gesagt, was ich von deiner Absicht halte. Ich möchte dich nur gern vor Enttäuschungen bewahren. Es steht dir völlig frei, nach Gutdünken zu handeln.“
Eine lange Pause trat ein. Frommherz war durch die Wendung, die das Gespräch genommen, sehr niedergedrückt. Er hatte auf eine Ermunterung, nicht auf eine Ablehnung gerechnet; denn darauf liefen Bentans Worte doch hinaus. Aber er wollte trotzdem nicht ohne weiteres auf seine Neigung zu Benta verzichten und die Angelegenheit noch in dieser Stunde zu einer definitiven Klärung bringen.
„Ich bekenne dir offen, ehrwürdiger Bentan, daß ich mich schon sehr an den Gedanken gewöhnt hatte, mit dir und deiner Familie durch das Band der Verwandtschaft in innigste Beziehungen gebracht zu werden, kurz, Benta als Gattin erringen zu dürfen, für die ich eine warme und ehrliche Neigung empfinde.“