„Sprich nicht davon! Nun laß auch mich dir Lebewohl sagen, denn morgen früh, bevor ich aufstehe, bist du schon fort von hier. Mögest du glücklich die Erde und deine Heimat wieder erreichen! Unsere aufrichtigsten Wünsche für dein Wohlergehen begleiten dich.“ Bentan umarmte den Erdensohn, küßte ihn auf die Stirn und zog sich dann still in sein Gemach zurück.

Siebentes Kapitel.
Vorbereitungen zur Rückkehr.

Eine geraume Zeit schon befand sich Fridolin Frommherz wieder in seinem alten Heim in Lumata. Die Kunde von seiner bevorstehenden Abreise nach der Erde war ihm von Angola aus nach Lumata vorausgeeilt, und als er mit dem würdigen Eran dahin zurückkehrte, war sein Empfang überall recht herzlich. Aus dieser Aufnahme an dem alten Orte seines ersten Aufenthaltes fühlte der Gelehrte deutlich heraus, wie die Marsiten seinen Entschluß beurteilten. Unverhohlen wurde ihm jetzt eine Achtung gezeigt, die ihm einst, nach der Trennung von seinen Gefährten, in diesem Umfange nicht bewiesen worden war.

Mit Energie wurde an der Herstellung des Luftschiffes gearbeitet, das in jeder Hinsicht befähigt sein mußte, nicht nur den Weltenraum zu durchschneiden, sondern auch die Marsiten, die des Erdensohnes Begleitung bilden sollten, wieder auf den Lichtentsprossenen zurückzubringen. Die großartige Entwicklung der technischen Wissenschaften auf dem Mars ermöglichte die verhältnismäßig rasche Konstruktion eines den höchsten Anforderungen genügenden Luftschiffes. Trotzdem aber verstrichen mit der Erfüllung dieser wichtigen Aufgabe noch mehrere Monate.

Inzwischen wurden in Fridolins Herz wieder mehr und mehr die alten Erinnerungen wach. Waren es doch nun schon vierzehn Jahre, seit er von Cannstatts Wasen unter großem Hallo der Bevölkerung, unter dem Hurra von Hunderttausenden aus nah und fern Herbeigeeilter abgefahren war. Das fünfzehnte Jahr nach Erdenmaß war angebrochen, und noch immer weilte er in Lumata. Jetzt brauchte es nur noch weniger Wochen Geduld, und die ernste Stunde des Abschiedes für immer vom Mars und seinem edlen Volke sollte schlagen. Für diese Riesenreise wurde alles in tadelloser, umsichtiger Weise vorbereitet. Täglich wanderte der Erdensohn hinaus auf die ihm wohlbekannte Wiese, auf der einst der „Weltensegler“, das Luftschiff, das ihn und seine Gefährten hierhergebracht hatte, niedergegangen war, und auf der nun auch sein Luftschiff gebaut wurde, und verfolgte den Fortschritt der Arbeit.

Wenn Fridolin Frommherz auch die technischen Schwierigkeiten bei der Herstellung eines Weltfahrzeugs von Cannstatt her nicht gänzlich unbekannt waren, so vermochten doch die verwickelten Berechnungen, die dem kunstvollen Bau zu Grunde lagen, sein Interesse nicht dauernd zu fesseln. Er hatte allen Respekt vor der Technik und der mathematischen Wissenschaft, aber kein richtiges Verständnis für sie. Ja, wenn Siegfried Stiller, sein Freund, der berühmte Astronom, noch hier gewesen wäre! Der hatte einst den „Weltensegler“ bauen lassen nach seinen eigenen Berechnungen, hatte sich alle bislang auf Erden errungenen technischen Fortschritte und Erfahrungen zunutze gemacht und hatte ein Werk geschaffen, das die Bewunderung aller Kulturnationen der Erde gewesen. Wie würde Freund Stiller gestaunt haben, hätte er das Luftschiff der Marsiten sehen und seinen raschen Bau verfolgen können!

Wie Freund Stiller so bauten auch die Marsiten nach dem starren System. Aber hier auf dem Lichtentsprossenen war alles viel einfacher, selbstverständlicher, fügte sich viel müheloser ineinander als beim „Weltensegler“ und war vor allem viel leichter als bei diesem. Denn wie alles andere, so stand auch die Technik hier auf einer auf Erden nicht gekannten erstaunlichen Höhe. Da wurden Metallegierungen hergestellt, die in Bezug auf Leichtigkeit und Widerstandsfähigkeit alles auf Erden Gekannte weit in den Schatten stellten.

Mit einer nahezu undurchdringlichen Stoffhülle aus seidenartigem Gewebe wurde der Ballon wie mit einer schützenden Außenhaut umgeben. Zwischen dieser und dem eigentlichen Ballon befand sich ein isolierender Luftraum, der gleichsam eine Vermittlung zwischen den eisigen Temperaturen des Ätherraumes und den gemilderten Temperaturen des Balloninnern herstellen und einer Abnahme des Ballonvolumens infolge zu starker Abkühlung entgegenwirken sollte.

Und wie bequem war die Gondel eingerichtet! Da war nichts vergessen, was eine wochenlange Reise durch den eisigkalten, lichtlosen Ätherraum erträglich gestalten konnte. In der Gondel befanden sich aber auch die exaktesten Meßapparate, alles zu Höhen- und Positionsbestimmungen innerhalb der Atmosphäre des Mars oder der Erde Erforderliche, auch die Vorrichtungen zur Handhabung der Höhen- und Seitensteuer, große Mengen fester, komprimierter Luft nebst einem außerordentlich handlichen Zerstäubungsapparat, aufgespeicherte Elektrizität teils zur Fortbewegung, teils zur Beleuchtung und Wärmeerzeugung; wurde doch die Temperatur im Ätherraum auf hundertundzwanzig bis hundertundfünfzig Grad unter Null geschätzt! Die an den Wänden angebrachten Lagerstätten ließen sich in die Höhe klappen, wodurch tagsüber bedeutend an Raum gewonnen wurde. Auf die praktischeste Weise waren Nahrungsmittel und andere Vorräte ebenfalls an den Wänden untergebracht.

Fridolin Frommherz hatte das Gefühl, als könne seinen Freunden vom Mars eine Weltenfahrt überhaupt nicht mißlingen, und freute sich über die sichtbaren Fortschritte, die der Bau des eigentümlichen, seiner Vollendung mehr und mehr entgegengehenden Luftschiffes machte. Ihm zu Ehren sollte es den Namen „Fridolin Frommherz“ tragen.