Als die große Arbeit endlich vollendet und der Tag der Abreise bestimmt worden war, erboten sich fünf Marsiten aus dem Stamme der Ernsten und der Findigen als freiwillige Begleiter des Erdensohnes. Es waren Sirian, der Erbauer des Luftschiffes, der nun auch sein Lenker sein wollte, Zaran, Parsan, Alan und Uschan. Zaran war ein Neffe des alten Eran. Der kühne Flug sollte am fünfunddreißigsten Tage der „Zeit der Ruhe“ angetreten werden. Fridolin Frommherz zählte nach Erdenrechnung den siebenten Februar.

Am Abend vorher gab Eran dem Scheidenden zu Ehren ein Gastmahl, zu dem von allen Seiten die Eingeladenen herbeiströmten. Auf blumengeschmückter Tafel wurde dem Erdensohne noch einmal alles dargebracht, was der Lichtentsprossene Herrliches an Früchten, Fischen und ähnlichen Dingen zu bieten vermochte. Die ersten Künstler aus dem Stamme der Frohmütigen verschönten mit Musik und Gesang und erhebenden Vorträgen den Abend. Dann erhob sich Eran, der ehrwürdige Greis. In längerer Rede warf er einen Rückblick auf den einstigen Besuch der sieben Schwaben, von denen der eine nun so viele Jahre länger unter den Marsiten geweilt und die bei ihnen bestehenden allgemeinen wie besonderen Lebensbedingungen am gründlichsten kennen zu lernen Gelegenheit gehabt habe. Daß Freund Fridolin gleich seinen Brüdern sich unten auf der Erde dem großen Werke der Menschenverbrüderung widmen wolle, das sei der Grund seiner Rückkehr, den er, Eran, in seinem ganzen sittlichen Umfange zu schätzen wisse. Möchte dem Tapfern ein schöner Erfolg beschieden werden! In Lumata aber solle nun das schon längst geplante Denkmal ausgeführt werden, das bestimmt sei, für immer die Erinnerung an den Besuch der Erdgeborenen an dieser Stelle festzuhalten.

Als der ehrwürdige Greis im Silberhaar geendet hatte, dankte Fridolin Frommherz mit wenigen, aber tiefempfundenen Worten für all das Gute und Schöne, das ihm auf dem Lichtentsprossenen zuteil geworden, und das er nie vergessen werde. Die Sehnsucht nach dem Mars-Paradiese und die Erinnerung an die schönste Zeit seines Lebens werde ihn nie verlassen, ebensowenig aber werde er jemals vergessen, welcher Höhe der Kultur die Menschheit fähig sei, und was er auf dem Lichtentsprossenen gelernt, werde er auf Erden zu verwirklichen suchen. Dann habe er nicht umsonst gelebt.

Musik und Gesang schlossen die schöne Feier.

Dann kam für Fridolin Frommherz die letzte Mondnacht auf dem Mars mit all ihrem Zauber zweier Leuchten. Noch einmal wanderte er ganz allein hinaus vor die Stadt, atmete noch einmal in tiefen Zügen die wunderbar weiche und doch würzige Luft, schaute trunkenen Auges den fast durchsichtig klaren Himmel und die vielen, unzähligen Welten, die da oben in eigenem oder erborgtem Glanze strahlten, und gelobte sich noch einmal, den Glauben festzuhalten an den endlichen Sieg des Guten. So, wie es auf dem Lichtentsprossenen war, mußte es einmal auf Erden werden. Kein Mißerfolg würde künftig diese Zuversicht zu erschüttern vermögen.

In gehobener Stimmung kehrte der Erdensohn in Erans gastliches Heim zurück, um noch ein paar Stunden der Ruhe zu pflegen.

Wie einstmals, als Fridolins sechs Gefährten schieden, so zog auch diesmal Eran mit der gesamten Bevölkerung Lumatas am andern Tage in aller Frühe mit dem Abreisenden hinaus auf die historisch gewordene Wiese. Ein Händeschütteln, laute Zurufe glücklicher Reise von allen Seiten, eine letzte Umarmung Erans, dann bestieg Fridolin Frommherz als letzter die Gondel. Die Taue wurden gekappt; das Luftschiff setzte sich in pfeilschnelle Bewegung und trug den kühnen Schwaben hinweg aus dem Paradiese des Mars der heimatlichen Erde zu.

Achtes Kapitel.
Auf der Fahrt im Weltraum.

Einen langen Abschiedsblick voll Liebe und Dankbarkeit warf Fridolin Frommherz aus seiner luftigen Höhe hinab auf den Lichtentsprossenen, auf dem er so viel Gutes genossen, wo sein ganzes inneres Wesen umgeformt worden war. Den inhaltreichsten Abschnitt seines Lebens hatte er da verlebt. Nie würde er den strahlenden Bruderplaneten seiner irdischen Mutter wieder betreten. Wie in flüssiges Gold getaucht flimmerten und funkelten da unten die langen Wasserlinien der Kanäle, die er mit hatte bauen helfen. Es war, als wiche die Landschaft da unten zu des Erdensohnes Füßen immer mehr zurück, als wäre sie es, die sich fortbewegte, als stände das Luftschiff still, so sicher und ohne Schwankung trug es seine Insassen in die Höhe. Schon waren die Freunde da unten kaum noch als winzige Punkte sichtbar; Bäume und Bauten erschienen wie kurze Striche. Und bald schwanden auch sie; es blieb nur das sonnige Glitzern und Flimmern, das auf der vergoldeten Landschaft lag, bis auch dieses erlosch und beim Verlassen der Marsatmosphäre die Nacht des Ätherraumes die kühnen Luftschiffer umfing.

Künstliches Licht, künstliche Erwärmung, künstliche Luftverteilung waren in Tätigkeit getreten. Man begann, es sich in der Gondel bequem zu machen, die fünf Marsiten natürlich nur, soweit es ihnen der strenge Dienst gestattete. Fridolin Frommherz, der einzige Passagier, aber richtete sich nach Geschmack und Gutdünken ein. Seinem Wunsche gemäß sollte auch er zuweilen zur Bedienung der Instrumente Verwendung finden; doch war er naturwissenschaftlich und technisch zu wenig geschult, um regelmäßigen Dienst an verantwortungsreichen Posten tun zu können. So blieb ihm freie Zeit in Fülle.