Die Schrecknisse einer Weltenreise hatte der Erdensohn schon einmal durchgekostet. In den vierzehn Jahren, die darüber verflossen waren, war die Erinnerung daran stark verblaßt. Jetzt lebte sie allmählich kräftiger wieder auf. Besonders lebhaft standen ihm zwei Dinge vor Augen: die Langeweile, die ihn und seine Gefährten von damals geradezu krank gemacht hatte, als die Reise nach monatelanger Dauer noch immer kein Ende nahm, als der Aufenthalt in der engen Gondel unerträglich geworden, und die Sparsamkeit, die ihnen damals in Bezug auf den Wasserverbrauch auferlegt gewesen war. Die Langeweile würde sich diesmal bei Fridolin Frommherz weniger fühlbar machen, war er doch ein anderer, ein geistig Höherstehender geworden, der diese letzten Wochen des Verkehrs mit Marsiten wohl auszunutzen wissen würde; auch würde bei der außerordentlich entwickelten Technik und bei der Geschicklichkeit der Marsiten die festgesetzte Reisedauer von drei Monaten kaum überschritten werden.
Wie aber stand es mit dem Wasserverbrauch? Fridolin sah sich um. Das neben seinem Bett befindliche und wie dieses aufklappbare Waschbecken schien ihm größer als einst beim „Weltensegler“ zu sein. Durfte er daraus auf größere Mengen mitgenommenen Wassers schließen? Wo das wohl untergebracht sein mochte? Zaran, der Neffe des alten Eran, begegnete seinem suchenden Blick.
„Fehlt dir etwas, Fridolin?“ fragte er freundlich. „Gern erfüllen wir deine Wünsche, wenn das im engen Gondelinnern möglich ist.“
„Hab’ Dank, Zaran!“ erwiderte der Erdensohn. „Mir fehlt nichts. Ihr habt ja so vortrefflich für alles gesorgt. Ich fragte mich bloß, wo ihr die für die lange Reise notwendige Wassermenge untergebracht habt. Der eiserne Behälter dort und die wenigen wasserführenden Röhren dürften doch wohl nicht genügen.“
„Komm mit!“ sagte der Marsite lachend und führte den Erdensohn zu einem sehr kompliziert aussehenden Apparate, den er durch einen leichten Druck mit der Hand in Tätigkeit setzte. Ein frischer Windhauch strich da plötzlich über Fridolins Stirn. Er atmete mit Wonne die rasch sich erneuernde Luft. Nach wenigen Augenblicken sah er, wie an einem Teile des Apparates sich kleine Wassertropfen sammelten und in einen eigens zu diesem Zwecke vorhandenen Behälter flossen.
„Woher kommt das Wasser?“ fragte er erstaunt.
„Aus der verbrauchten Luft,“ antwortete der Marsite, und als Fridolin Frommherz ihn nicht zu verstehen schien, fuhr er fort: „Siehst du, lieber Freund, das ist unser System der Sparsamkeit, das wir überall zu üben gewohnt sind. Es darf in unserm Haushalte nichts verloren gehen. Dieser Apparat hier ist so konstruiert, daß ich aus ihm nicht nur die Luft erneuern, sondern auch in ihm die verbrauchte Luft sammeln kann. Die letztere spaltet sich wieder in ihre Elemente, die alsbald von neuem verwertet werden können. Was aber an Wasserdampf in ihr vorhanden ist, das zwingen wir zum Niederschlag, zur Sammlung in diesem Behälter.“
„Wie sinnreich! Wie außerordentlich praktisch!“ rief Fridolin froh erstaunt. „Aber wird uns das so gewonnene Wasser auch genügen?“
„Nein, lieber Freund, sicherlich nicht! Ich wollte dir bloß zeigen, wie man sparen kann. Wir führen außer einer ziemlich beträchtlichen Menge natürlichen Wassers auch alles zur künstlichen Wasserbereitung Notwendige mit uns. Sei also ohne Sorge! An Wasser werden wir auf der langen Reise keinen Mangel leiden.“
Da winkte Sirian, der am Steuer stand, den Erdensohn zu sich heran.