Da rief ihn Sirian an das Teleskop.
„Sieh hier, wonach ich suchte! Nach unsern Erfahrungen der König eines jeden Meteoritenringes.“
Ein lautes, bewunderndes Ah! entschlüpfte Fridolins Lippen. Ein Komet! Ein glänzender König inmitten seiner dunkeln Dienerschar. Es war ein Komet mit wunderbar leuchtendem Kopfe, von schimmernder Nebelhülle umgeben und einem sich über Hunderttausende von Kilometern erstreckenden glänzenden Schweife. Und durch diesen Schweif hindurch schimmerte ein Stern, eine Sonne, die noch millionenmal weiter entfernt war als der schöne Fremdling inmitten des Meteoritenschwarmes. Und so wunderbar hell leuchtete der Stern, als ob keine verschleiernde Hülle zwischen ihm und dem menschlichen Auge läge. Wie leicht und durchsichtig und luftig die gasförmige Substanz eines solchen Kometenschweifes sein mußte!
Zuweilen zeigte Sirian dem Erdensohne Sterne, die aus weiter, nachtschwarzer Ferne auftauchten, wenn das Luftschiff auf seiner Fahrt die Lichtstrahlenbahn eines solchen Gestirnes kreuzte. Dann trat Sirians wundervolles Teleskop wieder in Tätigkeit, und was er da Fridolin Frommherz vor Augen führte und erklärte, machte diesen fast schwindeln. Es eröffnete sich ihm ein Blick in die wahre Weltgeschichte, in den Werdegang der Himmelskörper, wenn er die zahllosen Sonnen im unbegrenzten Raume, im schrankenlosen All ihre verschlungenen Bahnen ziehen sah, wenn er leuchtende, über ungeheure Räume des Himmels verteilte Nebelflecke durch das Spektroskop als sehr verdünnte, glühende Gasmassen erkannte, wenn er an andern Stellen die Nebelflecke sich bereits zu Sternen verdichten sah — Nebelflecke, die vielleicht in so unberechenbaren Fernen lagen, daß das von ihnen ausgehende Licht wohl Hunderte von Jahren unterwegs gewesen war, ehe es Fridolins Auge traf. Da sollten sich seine Augen und seine Gedanken, die Augen und die Gedanken eines kleinen Menschenkindes, an ein fortwährendes Kreisen von wirbelnden, leuchtenden Welten gewöhnen, die sich ruhelos im Universum jagten, eine jede mit eigener Bewegung, eine jede auf ihrer eigenen Bahn und doch alle gehorchend denselben unabänderlichen Gesetzen. Myriaden von lodernden Sternen, werdenden und gewordenen Sonnen — welche Phantasie wäre kühn genug, solches zu erfassen?
„Freund Fridolin,“ sagte Sirian eines Tages, nachdem er Uschan das Steuer übergeben und sich’s an einem der auf- und abklappbaren Tische der Gondel bequem gemacht, „wir werden in wenigen Stunden außerordentlich Interessantes schauen.“
„Ungeahnt ist die Fülle des Neuen und Interessanten auf solch außergewöhnlicher Reise!“ antwortete der Erdensohn fröhlich. „Doch sag mir, Sirian, ist’s ein neuer Komet, dem wir begegnen werden? Oder wieder eine jener wunderbar glänzenden Sonnen, deren Entfernungen ihr mit Zahlen berechnet, die mich schwindeln machen?“
„Diesmal ist’s keines von beiden,“ versetzte der Marsite. „Wir kommen sehr nahe an einem der kleinsten Kinder des Lichts vorbei.“
„Nahe an einem Planeten kommen wir vorbei?“ rief Fridolin Frommherz erstaunt. „Wie ist das möglich? Nie habe ich gehört, daß zwischen Mars und Erde die Bahn eines Planeten läge!“
„Es handelt sich um eines jener äußerst kleinen Kinder des Lichts, die ihr, wie ich aus deinen Karten und Büchern sah, Planetoïden nennt.“
„Aber die liegen doch jenseits der Bahn des Lichtentsprossenen, zwischen Mars und Jupiter,“ beharrte der Schwabe.