„Ein glühender Körper nähert sich unserm Luftschiff,“ sagte er. „Zwar ist er noch fern, aber grell sticht sein Glanz vom undurchdringlichen Dunkel des Raumes ab. Er scheint unsere Bahn zu kreuzen. Wir müssen zu wenden suchen.“
Noch ehe Uschan ausgesprochen, war Sirian an der vorderen Luke.
„Ein Meteorit von ungeheuren Dimensionen!“ rief er, mit aller Macht das Steuer rückwärts drehend. „Wir müssen so rasch wie möglich aus seiner gefährlichen Nähe, sonst sind wir verloren!“
Da sich aber das Luftschiff schon im Bereiche der irdischen Anziehung befand und der Erde mit einer Geschwindigkeit von fünfunddreißigtausend Kilometer in der Stunde entgegenstrebte, gehorchte es der steuernden Hand nicht mehr unbedingt. Statt zu wenden oder seitwärts auszuweichen, verlangsamte sich nur seine Bewegung unter dem ausgeübten Drucke, aber die Richtung blieb dieselbe. Es war das erstemal seit der Abfahrt vom Lichtentsprossenen, daß den kühnen Durchschiffern des Ätherraumes Gefahr in nächster Nähe drohte. Was tun? Immer näher raste die gewaltige, glühende Kugel mit nicht zu bestimmender Geschwindigkeit, wohl Tausende von Kilometern in einer einzigen Minute. Das Herz schlug in diesem Augenblicke nicht nur dem Erdensohne rascher. In wenigen Minuten mußte der Zusammenstoß erfolgen. Noch einmal drehte Sirian das Steuer mit aller Kraft.
„Es wird nichts mehr nützen,“ murmelte er dabei, „selbst wenn jetzt das Wenden gelingt; wenn wir wirklich noch ausweichen können, werden wir von der vielleicht tausendmal größeren Masse des Meteoriten angezogen werden — sein gluthauchender Schlund wird uns nur ein paar Augenblicke später verschlingen.“
Da geschah etwas so Wunderbares, wie es keiner der Insassen des marsitischen Luftschiffes in solcher Schönheit und Großartigkeit je erlebt hatte: der Meteorit platzte, zerbarst in Tausende von sich jagenden Teilen. In allen Farben sprühten sie auf, stürzten auf einander, platzten von neuem in immer neuem Farbenspiel; grüne, gelbe, rote, blaue Flammen durchzuckten den nachtschwarzen Ätherraum, züngelten empor in lodernder Glut und erloschen.
Und als es wieder Nacht um sie geworden, da wußten die kühnen Reisenden, daß sie gerettet waren, gerettet im Augenblicke höchster Gefahr, als selbst marsitische Technik und Gewandtheit gegenüber den Allgewalten der Natur zu versagen drohten.
Und immer weiter flog das Luftschiff, unbeirrt von allem, was ihm begegnete, mit wunderbarer Sicherheit von Sirians Führerhand direkt auf die Erde zu gesteuert. Der Besuch auf dem Monde, das erste Verlassen der Gondel seit nahezu drei Monaten, stand als nächstes Ereignis bevor.
Neuntes Kapitel.
Eine Station auf dem Monde.
„Wir haben Glück,“ sagte Sirian zufrieden lächelnd, als sich die kühnen Reisenden dem toten Sohne der Mutter Erde näherten, „denn der Mondtag neigt sich seinem Ende zu.“