„Warum wünschtest du am Abend auf dem Monde zu landen?“ fragte Fridolin Frommherz.
„Weil ich seinen Tag wie seine Nacht kennen lernen möchte.“
„Wäre das nicht auch möglich gewesen, wenn wir morgens oder mittags angekommen wären?“
„Lieber Fridolin, bedenke die Länge eines Mondtages! Vierzehn Erdentage bilden einen einzigen Tag auf dem Monde, vierzehn weitere Tage eine einzige Mondnacht!“
Fridolin Frommherz war an eines der Fenster getreten. Eine solche überwältigende Lichtfülle strömte ihm entgegen, daß er geblendet die Augen schloß. Uschan reichte ihm ein schwarzes Glas, und nun war es den Augen des Erdensohnes möglich, hinabzuschauen auf die in grellstem Sonnenlichte strahlende Mondlandschaft, über der das Luftschiff schwebte. Da stiegen hohe, schroffe Felsenmassen zu unheimlicher Höhe empor, lange, tiefschwarze Schatten werfend, die im Gegensatz zu dem blendenden Lichte doppelt schwarz erschienen. Fürchterliche Abgründe gähnten ihm aus Riesenkratern entgegen, aus deren Tiefe sich wiederum ein spitzer, kegelförmiger Berg erhob. Da türmten sich Gipfel an Gipfel, da klafften Spalten und weiteten sich Täler, übergossen vom grellsten, durch keine Atmosphäre gemilderten Sonnenglanz und mit schwarzen Schatten, die an Dunkelheit und Schärfe ihresgleichen nicht hatten. Vergeblich aber suchte das Auge nach einem Tropfen Wasser, nach einer Spur von Grün.
Langsam brachte Sirian das Luftschiff zum Sinken. Mit großer Sicherheit landete es auf einer weiten, sandigen Fläche. Zaran brachte sechs eigentümliche, vollständig durchsichtige und doch äußerst feste, glockenartige Kopfbedeckungen herbei. Fridolin Frommherz stülpte die seine, dem stummen Beispiele der Marsiten folgend, über den ganzen Kopf bis zum Halse, wo sie fest geschlossen wurde.
„Wozu das?“ wollte er fragen, aber niemand hatte jetzt Zeit, ihm Auskunft zu geben. Jetzt öffnete Sirian die Gondeltür und betrat als Erster den Boden, auf dem noch kein Wesen geatmet hatte. Rasch folgten die übrigen. Alle beteiligten sich an der Arbeit des Festlegens ihres Luftschiffes. Doch schien es Fridolin Frommherz, als müsse die Arbeit ganz besonders schwierig sein. Immer wieder prüfte Sirian die Anker und Ketten und festigte bald da bald dort. Auf dem Lichtentsprossenen war es anders gewesen. Weder Landung noch Festlegen hatte da bei Luftschiffahrten besondere Schwierigkeiten verursacht. Keiner der Marsiten sprach ein Wort; auch hörte Fridolin keine Kette klirren, keinen Hammerschlag, noch irgend ein Geräusch der Werkzeuge, die doch in voller Tätigkeit waren. Eine geisterhafte Stille herrschte, eine Stille, die unheimlich war und bedrückte. Der Erdensohn sah sich um. Da wölbte sich über ihm ein dunkler Himmel, schwarz wie Tinte, wolkenlos, darin brannte eine Sonne, die er selbst durch sein geschwärztes Glas kaum zu betrachten vermochte, und neben der Sonne standen Tausende von glänzenden Sternen, die trotz Sonnenglanz am schwarzen Himmel funkelten. Und ein großer, dunkler, von hellem Lichtrande umgebener Körper hing am Himmel. Das mußte die Erde sein. Dreizehnmal so groß muß sie, vom Monde aus gesehen, sich ausnehmen wie der Vollmond, von der Erde aus betrachtet!
„Wie seltsam das alles ist, der Himmel so schwarz und die Sterne am Tage sichtbar!“ sagte Fridolin Frommherz zu den Marsiten, die endlich ihre Arbeit vollendet zu haben schienen. Merkwürdig gedämpft klang ihm die eigene Stimme entgegen. Von den Marsiten erhielt er keine Antwort. Da war Totenstille rings umher. Da vernahm man keinen Ton. Da bewegte sich kein Lufthauch, da plätscherte kein Bach, da schwirrte kein Vogel, da summte kein Käfer; lautlos waren die Tritte der Menschen, die hier gingen. Die Sonne brannte, und nichts milderte ihre Glut; trotz Sonnenglut aber war der Boden eisig kalt, seine Temperatur unter Null Grad.
„Wie kommt es, daß der Boden bei dieser Hitze so kalt ist?“ fragte der Erdensohn.
Wieder erhielt er keine Antwort. Die Marsiten, die jetzt mit Messungen und photographischen Aufnahmen beschäftigt waren, schienen seine Worte gar nicht gehört zu haben. Keiner der sonst so freundlichen Männer wandte sich nach ihm um. Da fing es Fridolin an, unheimlich zu werden. Rasch trat er auf den ihm zunächst stehenden Zaran zu und faßte ihn am Ärmel. Der Marsite wandte das Gesicht dem Erdensohne zu und neigte sich so weit zu ihm, bis seine glockenartige Kopfbedeckung die Fridolins berührte. Dann fragte er freundlich: