„Danke für deine gute Meinung, Freund Piller. Die Reduktion, der Schluß vom Allgemeinen auf das Besondere war aber im vorliegenden Falle keine allzu große Schwierigkeit, zumal wir ja unsern schönsten Lebensabschnitt dort oben verlebt und die eigenartigen Verhältnisse des Planeten aus eigener Anschauung kennen gelernt haben.“

„Immer derselbe bescheidene Mann,“ brummte Piller. „Doch, bitte, fahre fort.“

„Jene feinen Linien, die ihr längs den alten Kanälen gesehen habt, sind neue Wasserstraßen, die flächenartigen Punkte erkläre ich mir als überdeckte Sammelbecken oder Stauwerke riesigster Konstruktion, alles ausgeführt, um einer drohenden Wassersnot zu begegnen. Daß eine solche auf dem Mars tatsächlich vorhanden sein muß, beweist mir die starke Abnahme der Eismassen an den beiden Polen. Eure Beobachtungen glaube ich somit mit wenigen Worten ziemlich richtig gedeutet zu haben.“

„Alle Wetter, du magst recht haben,“ erwiderte Piller. „Ich empfinde aufrichtiges Mitgefühl mit den Marsiten, die so schwer um die Grundbedingung ihrer Existenz kämpfen müssen. Aber eine Frage! Ändert sich die Lage nicht auch wieder einmal zum Guten da oben?“

„Diese Frage glaube ich bejahen zu dürfen nach dem, was ich auf dem Mars selbst gehört habe,“ antwortete Stiller.

„Eine wahre Beruhigung! Aber mit Bewunderung muß uns erfüllen, was wir geschaut haben. Das neue Kanalsystem konnte gewiß nur durch die Arbeit aller ausgeführt worden sein,“ äußerte sich Brummhuber.

„Ohne Zweifel. Dafür sind es eben die Marsiten. Nur ein solches Volk von dieser hohen Kultur kann Bauten dieser gewaltigen Art für das allgemeine Wohl ausführen.“

„So ist es, wie du sagst, Stiller,“ bestätigte Piller.

„Unser Fridolin wird da wohl auch mitgearbeitet haben,“ lachte Brummhuber. „Seine Paradiesesidylle hat dadurch einen bösen Stoß erhalten.“

„Wer weiß?“ entgegnete Stiller. „In der strengen Arbeit liegt der Segen. Sie allein berechtigt uns, als Gegenwert eine gewisse Summe an Freuden und Annehmlichkeiten vom Leben zu erwarten. Dies gilt auch für unsern Frommherz. Gerade dieser Riesenkampf ums Dasein dort oben, den ich in den stillen Stunden der Nacht von hier aus mit meinem Fernrohre verfolgen konnte, machte auf mich, nachdem ich über seine Ursache endlich klar geworden war, einen außerordentlich tiefen Eindruck. Ein Volk, dessen Solidaritätsgefühl eine derartige Probe auf seine Echtheit auszuhalten vermag, muß aus aller Not und Gefahr stets siegreich hervorgehen. Welch ein Vorbild für uns! Ob wir es wohl jemals erreichen werden?“