„Fridolin, das gilt dir,“ lachte Piller.
„Ich bin wirklich begierig, was dir und uns noch diesen Abend bevorsteht,“ äußerte sich Stiller. „Unser Oberbürgermeister scheint die kurze Zeit heute fieberhaft ausgenützt zu haben, um deine Rückkehr würdig zu ehren.“
„Das kommt mir auch so vor,“ antwortete Frommherz. „Ich würde aber am liebsten auf jede weitere Ehrung verzichten. Ähnlich äußerte ich mich dem Oberbürgermeister gegenüber ja schon am Kursaale.“
„Ergib dich in dein unvermeidliches Schicksal, Freund Fridolin! Ohne Sang und Klang darf dieser denkwürdige Tag nicht in der unwiederbringlich verlorenen Vergangenheit verschwinden,“ sprach Piller.
Näher dem Hause kam der Zug. Es war die Liedertafel von Stuttgart, die da durch den Garten zog und sich vor dem Hause aufstellte. Eine feierliche Stille trat ein. Dann intonierte der große Männerchor das prachtvolle Lied: „Des Vaterlandes Gruß.“
Frommherz, tief bewegt durch den vollendet schönen Vortrag, war mit seinen Freunden zu den Sängern getreten und dankte ihnen mit innigen Worten. Stiller lud die Sänger zu einem kühlen Trunke ein. Piller sorgte, unterstützt durch die Dienerschaft des Hauses, für das Getränk, und bald entwickelte sich in dem Garten ein feucht-fröhliches Sängerleben. Noch ein Lied zum Abschied, dann ein Hoch auf den Zurückgekehrten, und der Männerchor bewegte sich in der gleichen Weise, wie er gekommen, abwärts, der Stadt wieder zu. Am mitternächtigen Himmel aber stand in strahlender Schönheit Mars, das freiwillig aufgegebene Paradies der Söhne Schwabens.
Zwölftes Kapitel.
Fromme Wünsche.
Während die führenden Zeitungen am Tage nach Frommherz’ Rückkehr den Gelehrten in achtungsvoll gehaltenen Leitartikeln begrüßten und feierten, saßen die Freunde in Stillers gemütlichem Balkonzimmer und lauschten dem Berichte des Weltenseglers. Aber ohne Mißton in der Begrüßung durch die Presse sollte es leider nicht abgehen.
Das seit kurzer Zeit bestehende Organ „Der Volksmund“, das seine Unbedeutendheit durch maßloses Schimpfen auf alles, was ihm nicht in den Kram paßte, zu decken suchte, brachte einen Artikel, der nicht nur gegen Frommherz allein, sondern auch gegen die übrigen kühnen Marsbesucher gerichtet war. „Warum,“ so fragte das Organ, „ist dieser Mann zurückgekommen? Entweder hat man ihn fortgewiesen, wo er war, oder er ist selbst gegangen — was wir annehmen wollen — weil eben auf jenem Planeten die Lebensbedingungen doch nicht die sind, von denen seine Freunde einst vor Jahren so viel Aufhebens machten. Schon damals war es zu verwundern gewesen, daß die Herren ein Eldorado verlassen haben, in dem ihren eigenen Aussagen nach Milch und Honig fließen und alles vollkommen sein sollte. Ihre Behauptungen konnte man natürlich nicht widerlegen, und so mußte man sie eben achselzuckend und zweifelnd für einstweilen annehmen.
Nun aber, da Fridolin Frommherz wieder auf die Erde niedergestiegen, hat er seinen großsprecherischen Freunden unwillkürlich eine höchst derbe Lektion erteilt und sie durch seine Rückkehr gewissermaßen Lügen gestraft. Kein vernünftiger Mensch kann allen Ernstes mehr glauben, daß Mars das sogenannte Paradies sein soll. Eva und Adam sind, biblisch gesprochen, auch nicht freiwillig aus dem Paradiese fortgegangen, noch weniger aber ziehen Männer, die, wie die Weltreisenden, von Jugend auf nur an Wohlleben gewöhnt sind, von einem Orte weg, der angeblich das wirkliche Schlaraffenland vorstellt. Da steckt anderes dahinter, das man natürlich nicht zu gestehen wagt, um sich billige Lorbeeren um den kecken Kopf zu legen,“ schloß der Artikel.