Die Herren hatten es sich im Hause ihres Freundes bequem gemacht und saßen in anregendem Gespräche in dem bekannten großen Balkonzimmer.

„Wenn große Ereignisse mein seelisches Empfinden berühren, so fühle ich stets einen merkwürdigen Durst und . . .“ Doch Stiller ließ seinen Freund Piller nicht ausreden. „Ich verstehe dich auch ohne diese Einleitung,“ lachte er fröhlich. „Piller ist nämlich immer noch derselbe Durstige wie früher,“ erklärte er Frommherz. „Du sollst deinen Trunk haben, lieber Piller. Wir alle wollen ein Glas auf das Wohl des teuren, uns wiedergeschenkten Freundes leeren.“

Der Wein wurde gebracht. Die Gläser hatten ausgeklungen. Der Abend senkte langsam seine Schatten auf das Häusermeer im Tale, während die Bopserhöhe sich noch in den Strahlen der untergehenden Sonne golden badete. Da begannen unten in der Stadt die Glocken anzuschlagen.

„Wir haben doch meines Wissens morgen keinen Festtag, der am Abend vorher eingeläutet werden sollte?“ fragte Brummhuber.

„Nicht daß ich wüßte,“ erwiderte Piller.

„Es gilt ohne Zweifel unserm Freunde Fridolin,“ bemerkte Stiller. „Die alte Heimat will ihrem wiedergekehrten Sohne durch den ehernen Mund der Glocken lauten Willkomm bieten.“

„Du magst recht haben,“ erklärte Brummhuber.

Eine volle halbe Stunde währte das harmonische Geläute, dann verstummte es . . .

Und die Sonne, die Spenderin alles Lichtes und Lebens, war inzwischen im Westen verglüht. Leise bewegten sich im leichten Abendwinde die blühenden Bäume an der Talseite und sandten ihren Duft herauf zu den Gelehrten, die da an den offenen Fenstern des Gemaches saßen und die Lieblichkeit des Landschaftsbildes still genossen.

„Was kommt denn da die Weinsteige herauf?“ fragte Brummhuber erstaunt und machte seine Freunde auf eine Masse von Lampions aufmerksam, die sich einer feurigen Schlange gleich gegen die Bopserhöhe zu bewegten.