Ein Schrei! Auf, unter den Wagen der Majestäten stürzte sich eine Uniform, der Charge nach ein Feldmarschallwebel. Oder war es ein Generalunterst? Die roten Generalsstreifen der Exzellenz lagen blutbereit am Boden unter den im jähsten Augenblick noch zurückgerissenen Rossen. Der Wackere, Tapfere hatte sich unter die Hofequipage geworfen, auf daß Hanuman sähe, wie sehr sich auch in Europa Getreue zu opfern wissen. Ich dachte: Jaggernaut in Wien. Seltene Geste. Rührend.

Während ein paar Germanoslowaken dem einem schweren Orden nicht entgehenden Veteranen emporhalfen, zerbrach sich schon das auf eine Extraausgabe gefaßte Publikum den Kopf mit Vermutungen, welcher der Paladine des

Donaulandes so beherzt gewesen. G. d. J. Hawlatatsch von Hatschentreu? Strzoch von Aarenbrei? Baron Zsiga Márczibànyi? Elemer Saprdek von Eichenleu? Marschall Rückwärts? Man wußte es nicht.

Als sich der Hofwagen mit den Fürstlichkeiten und deren auf eine so harte Probe gestellten Nerven wieder in Bewegung setzen wollte — neuer Zwischenfall. Plötzlich sauste nihilistisch ein rundlicher, schwarzgrüner Gegenstand von der Größe eines Maschanzkerapfels in die Hofequipage, auf den Affenkönig zu. Der Kral von Danubien hatte nur eine kleine Handbewegung, nicht der Furcht, sondern der Entrüstung; aber der kleine Knabe mit der Glaskugel weit draußen in Lerchenfeld, im Verlieren begriffen die Regeln des Marmorkugerlspieles ändernd, er rief vernehmlich: „Gitsch bum gilt nicht!“ Hanuman jedoch betrachtete lächelnd die ihm in den Schoß gefallene kandierte Walnuß — denn so brav entpuppte sich der geschleuderte Gegenstand. Durch die Triumphpforte gings in die Hofburg. Ob hierauf Hanuman dort blieb und der danubische Kral nach Schönbrunn fuhr oder umgekehrt der Hanuman dem Affenhaus einen Besuch machte, frage man die Pallawatsch-Athene.

Fluch

In einer verlorenen Handschrift, an hundert Jahre vergilbter als die Stormschen, habe ich folgende wahre Geschichte gefunden, welche uneben und ruppig erzählt zu haben meine einzige Hoffnung ist, wenn nicht der Trost meines Greisenalters.

Es war einmal eine Königstochter, Jezaide geheißen, aus dem uralten Geschlecht der Sirvermor. Über ihre Familie war, wie sonst nur in Märchen Brauch, ein enormer Fluch verhängt. O geiziger König Zizipê der Siebenundsiebenzigste, warum hast du, als einst zur Taufe deines Erstgeborenen dreizehn glückwünschende Zauberer erschienen waren und der Hofjuwelier, eingedenk trauriger Erfahrungen und Abzüge, erklärte, die goldenen Stiefelzieher nur mehr dutzendweise abgeben zu können, warum hast du damals die verhängnisvollen Worte gesprochen: „Ach was, der eine wird sich halt so gefretten!“

Ja, er begnügte sich diesmal mit einem Silber-Stiefelknecht, der Groß-Magier Anateiresiotidas, ingrimmig zwar und so gewaltige Sprüche in seinen Bart brummend, daß der vor Schreck jeden Moment Farbe wechselte. Mit einem violetten Bart erschien er bei der königlichen Tarockpartie, zu der er geladen war, und alle anderen Zauberer wußten, wieviel es geschlagen hatte. Nur der König bemerkte die Anzeichen fürchterlich aufziehenden Gewitters nicht, derart war er mit der Mondjagd beschäftigt. Bot dem Magier in der Hitze des Gefechts weder die Teilnahme noch einen Stuhl an, vielleicht um sich durch solche Höflichkeit nicht noch einen Hexenmeister zum Feinde zu machen. Und so mußte Anateiresiotidas kiebitzen, stehend kiebitzen. Auch dies hätte der Zauberer vielleicht noch ruhig hingenommen, aber ihm offerierte Zigarren trugen zwar die Leibbinden importiertester Havanna, waren jedoch mörderische Schusterkuba. Diesmal hatte wiederum Hoftrafikant Motschker die Upman nicht in minimalen Quantitäten zum Engrospreis liefern wollen und der königliche Geizhals daraus alberne Konsequenzen gezogen. Nur daß ein anständiger Hexenmeister in punkto Zigarren keinen Spaß versteht. Mit einem Griff

hatte der Beleidigte seine Sprechwerkzeuge auf den Tisch gelegt und sich entfernt. Kein besserer Zauberer hat so viel Zeit und Geduld, seine eigenen Reden anzuhören. Und jetzt kam der Fluch: „Von nun an werden alle Kinder aus dem Hause Sirvermor, je nach dem Geschlecht, mit dem Ding oder Wesen, das ihrem Vater oder ihrer Mutter am liebsten ist, zur Welt kommen. Bis einst ein Jurist erscheint, dessen Namen dieselben Buchstaben wie ‚Sirvermor‘ besitzt, und nicht genug daran: ohne das geringste Plagiat ein Buch über Rechtsphilosophie schreibt!“

„Wer gibt?“ fragte guter Laune der König, dessen geheimen Gram es längst gebildet hatte, daß justament auf seinem Stamm kein vornehmer Erbfluch lag. Und ehe noch die Sprechwerkzeuge des Anateiresiotidas aus dem Spielzimmer ihrem Inhaber nachgeflogen waren, gab es bereits einen Solovalatpagatultimo, wie er in solcher Schönheit ohnstreitig noch nie dagewesen. Das aber hatten die anderen Zauberer getan, um den König zu trösten.