Verkleinerungsformen dagegen sind im ganzen seltener: Köbke (aus Jakob) und Jahnke (aus Johannes), denen Jäckel und Hensel gegenüberstehen, weisen die Hauptform des niederdeutschen Deminutivs (mit dem Charakterlaute k) und des oberdeutschen (mit l) auf, während z bei den Fremdnamen überhaupt nicht vertreten ist.

Außer dem Genetiv und der Zusammensetzung mit Sohn wird das patronymische Verhältnis auch durch Vorsetzung von Jung oder Klein bezeichnet. Hieß der Vater z. B. Andreas, so wurde der Sohn, welcher denselben Namen in der Taufe erhalten hatte, Jungandres genannt, oder Michel: Kleinmichel, und zu den Zeiten der Söhne trat eben das Festwerden der Familiennamen ein, so daß nun Jungandres und Junghans, Kleinmichel und Kleinpaul auch der ganzen Nachkommenschaft des eigentlichen Jungandres usw. zuteil wurden. Übrigens scheinen es hauptsächlich nur die Fremdnamen Andreas, Johannes, Michael, Nikolaus und Paul, sowie die einheimischen Konrad (Kurt, Kunz) und Heinrich (Heinz) zu sein, welche Patronymika mit Jung und Alt, Klein und Groß bilden.

Aus einigen dieser Namen hat sich solchergestalt durch Kürzung, Ableitung, Zusammensetzung eine Menge Familiennamen gebildet; man sehe das Lexikon unter Andreas, Nikolaus, Matthaeus.

Alle überbietet jedoch der Name Johannes. Wie dieser als Taufname jederzeit einer der beliebtesten gewesen, so hat er auch als Familienname die weiteste Verbreitung und mannigfachste Gestaltung erfahren, so daß sich mehr als 100 Familiennamen aufzählen lassen, die sämtlich aus Johannes gebildet sind (s. das [Lexikon]). Wir haben hier wieder das Bild eines Waldes, der allmählich aus einem einzigen Baum entstanden ist.

Indessen sind es nur einzelne unter den fremdsprachigen Namen, welche eine solche Fruchtbarkeit entwickeln. Im allgemeinen können dieselben, schon als Fremdlinge, nicht eine so vielseitige Bildsamkeit besitzen wie die einheimischen, von vornherein in deutschem Sprachgrunde wurzelnden. Es bleibt daher die Zahl der von kirchlichen Taufnamen stammenden Familiennamen im ganzen eine beschränkte im Vergleich mit den Gebilden altdeutschen Ursprunges.

11.
Familiennamen der dritten Schicht.

a) Stand und Gewerbe.

Den aus den Personennamen gebildeten Familiennamen gesellt sich eine gleich große Zahl solcher Bezeichnungen zu, die niemals Personen- (Tauf-)namen gewesen. Diese wurden zunächst entlehnt von der Beschäftigung. Um unter den vielen Konrad oder Johannes einen bestimmten zu bezeichnen, setzte man das Handwerk, welches er trieb, oder das Amt hinzu. Solchen Zusätzen begegnen wir bereits bei den Goten, indem sich unter zwei sonst lateinisch abgefaßten Verkaufsurkunden, die sich aus der ostgotischen Zeit erhalten haben, als Zeugen neben Römern auch finden: Merila bokareis (M. der Bucherer, d. i. Schreiber), Ufitahari papa (U. der Pfaffe), Sunjaifrithas diakun (S. der Diakon), Viljarith bokareis, Gudilub diakun. Dies sind die ältesten germanischen Zusätze von Stand und Gewerbe zur näheren Bezeichnung einer Persönlichkeit. So finden wir denn auch in spätern Urkunden häufig solcherlei Zusätze, wie „Herman der Perchmayster“ (in einer Marburger Urkunde aus dem Jahre 1290), „Herman der Amman“, „Schechel der Mawter“ (Mautner), „Nicla der Schreiber“ (alle ebenda aus dem 14. Jahrhundert) „Huch de smet“ und „Schrift de kremere“ (im Göttinger Urkundenbuch um 1383) usw.

Eine solche Beifügung konnte nun sehr leicht auf den Sohn übergehen, so sich allmählich in einem Geschlechte befestigen und zum Namen der gesamten Familie werden, besonders wenn der Sohn, wie es doch ohne Frage häufig und häufiger als jetzt geschah, die Beschäftigung seines Vaters fortsetzte. Doch war das kaum einmal nötig: der Name des Familienhauptes wurde ohne weiteres auf die übrigen Glieder der Familie, insbesondere auf die Kinder übertragen.