Wenn, von Schmied abgesehen, sich Sproßformen bei dieser Namenklasse selten finden, so sind dagegen Zusammensetzungen häufiger und ersetzen zum Teil den Mangel an eigentlichen Sproßformen. Um manche dieser Handwerksnamen gruppiert sich eine überraschende Zahl solcher Kompositen; dieselben rühren größtenteils daher, daß das betreffende Handwerk früher in weit mehr Spielarten zerfiel als heutzutage. So finden sich in Nürnberg von 1300–1500 neben Beck: Brodbeck, Fladenpeck, Schwarzpeck (Schwarzbrotbäcker), Tachspeck (später Täglichsbeck, der alle Tage backt), Judenpegk (der den Juden Matzen backt), Pfennigspeck (der Pfenniglaibe backt), Wasserbeck (der Wasserwecken backt).
Obenan steht in betreff der Zusammensetzungen ohne Frage der Name Meier (Meyer, Maier), vom lat. major der Ältere, sodann Aufseher (eines Landgutes), Verwalter. Dieser Name, welchen einer der großen Sippe, Franz Meyer in Osnabrück, in einer besonderen Einzelschrift („Der Name Meyer und seine Zusammensetzungen“) behandelt hat, zählt weit über 1000 Zusammensetzungen, so daß schwerlich ein anderer Name dieser Klasse sich darin auch nur entfernt mit ihm messen dürfte.
Werkzeuge und Kleidungsstücke.
Eine nicht unwesentliche Ergänzung erhält diese Klasse durch die von Werkzeugen und Geräten entlehnten Namen. Womit jemand hantierte, danach wurde er benannt. So konnte einen tapfern Krieger der Name Degenkolb, einen Schmid der Name Boßhammer zieren (von boßen = schwer aufschlagen), wie für einen Koch Schaumlöffel sehr bezeichnend war. Pfeffersack ist ein alter Spottname für Kaufleute, während Knieriem und Leimpfann noch heutzutage für jedermann verständlich die betreffenden Handwerke bezeichnen.
Unter den hierher gehörigen Familiennamen nehmen auf dem Gebiete der Hausgerätschaften die der Küche den größten Raum ein: Schaumlöffel, Kessel, Wiegelmesser, Fetthake (ein Hauptgerät der Küche des 15. Jahrhunderts), Feuerhake, Pfannstiel, Ölhafen u. a. — unter den Handwerksgeräten die, welche sich auf grobe Holz- und Eisenarbeit beziehen: Axt, Breitbeil, sowie die Zusammensetzungen mit Hammer.[45]
Geräte der Feldarbeit erscheinen beispielsweis in: Schellpflegel, Pflug (Keil-), Rollwagen, Spannagel.
Doch dieser friedlichen Vereinigung tritt auch hier sofort ein starkes Fähnlein kriegerischer Namen gegenüber: Eisenhut, Stahlhuth, Harnisch, Kempeisen (die Eisenkolbe der Gottesgerichtskämpfe), Bauerneisen, die berüchtigten Kirmeßspieße des 15.-16. Jahrhunderts, „mit denen die Bauern sich leichtlich zur Ader ließen“; einen Reitersmann bezeichnen: Klingspor, Holzsadel, den altertümlichen Pfeilschützen Armborst und Pfeil, während die Feuerwaffen in dem Namen Feuerrohr vertreten sind. Manche dieser Namen gehen zugleich auf die Jagd.
Entsprechend dem Goetheschen „Saure Wochen, frohe Feste“ schließt sich ein heiterer Reigen solcher Namen an, die von Lustbarkeiten und dabei gebrauchten Geräten entlehnt sind.
Danzglock, Schombart (Maske), Glückrad, Kranz, Maikranz und Grünemay, Rosenkranz, Kuttruf (eines der im 15.-16. Jahrhundert äußerst zahlreichen Trinkgefäße). Diese Namen stammen besonders aus Süddeutschland, wo überhaupt mehr leichtlebiger Frohsinn als im Norden herrscht und wo frühzeitig schon im Mittelalter auch ein freier Bauernstand sich bildete. Einen Beleg für die Blüte des letzteren haben wir in der höfischen Dorfpoesie des bayrischen Ritters Neidhart von Reuenthal.
Hierher rechnet Vilmar auch die Münznamen, deren er volle 20 aufzählt. Darunter sind freilich manche zu streichen, wie Dreier, welches die niederdeutsche Form für Dreher, Drechsler ist; auch Schilling und Heller sind zweifelhaft zu nennen. Doch bleiben immer noch einige übrig, wie Weißpfennig, Redepenning (barer Pf.), Wucherpfennig und dessen Gegenteil Schimmelpfennig, Fünfschilling, bei denen eine Beziehung auf die betreffenden Münzen nicht abzuweisen ist.