Es finden sich unter diesen Namen, die vorwiegend wohl in den Kreisen lustiger Gesellen, Waffen- und Zechbrüder entstanden sind, die lebendigsten und launigsten Bezeichnungen, Scherz- und Spottnamen.
Betrachten wir nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen die Satznamen genauer, und zwar zunächst hinsichtlich der Form, so haben wir unter ihnen
| 1) | Zusammensetzungen aus zwei Wörtern (Zeitwort und Eigenschaftswort oder auch Umstandswort): Bleibtreu, Trinkaus — viel häufiger aber |
| 2) | Zusammensetzungen aus drei Wörtern (Zeitwort mit Objekt und davorstehendem Artikel): Haßdenpflug (ein Bauer, der des Pfluges überdrüssig geworden), gewöhnlich abgeschliffen Hassenpflug, Jagenteufel, später verkürzt in Jageteufel, so daß nun der Artikel ganz ausgefallen ist, auch Wieswell (= wie es wolle, geh es wie es wolle, Bezeichnung eines gelassenen Gemütes). |
| 3) | Sogar Zusammenschiebungen aus vier Wörtern finden sich, am deutlichsten in Haltanderheide (ein Ritter oder Reisiger, der an der Heide hält, um Vorüberziehende anzugreifen); aber auch Namen wie Fleugimtanz (flotter Tänzer), Griepentrog (niederd. = greif in den Trog, von einem, der unbescheiden zulangt), Springsfeld (spring in das Feld) und der Gegensatz Bleibimhaus gehören hierher; ferner Feuerimdach (ein Jähzorniger). |
Dem innern Gehalte nach bezeichnen diese Namen zum Teil gute, rühmliche Eigenschaften, überwiegend aber, wie nicht anders zu erwarten, Schwächen und Untugenden. Unter den ersteren steht auch hier wie bei den altdeutschen Namen obenan die Tapferkeit in Namen wie Hauenschild (Hauschild), Klubeschedel (klöbe d. i. spalte den Schädel), Schüttesper (schüttle den Speer, englisch Shakespeare), Zuckseisen (zücke das Eisen), wohin auch die Zusammensetzungen mit Teufel gehören: Fressenteufel, Jageteuffel, Schlagenteufel, Bitdendüwel (niederd. = beiße den Teufel) — Leute, die sich selbst vor dem Gottseibeiuns nicht fürchten.[60]
Einzelne dieser Namen mögen auch schon ein gewisses Übermaß von Tapferkeit, eine übermäßige Kampfbegier, Streitsucht und Raufsucht bezeichnen. Deutlich tritt letzteres hervor in Namen wie Raufseisen, Haberecht, Hebenstreit (der den Streit anhebt). Unter solchen Spottnamen ragen vor allen diejenigen hervor, welche den übermäßigen Durst, die leidige Trunksucht der Deutschen geißeln: Kehrein, Suchenwirth, Findekeller, (der den Keller zu finden weiß), Schmeckebier und Schluckebier und manche andere, denen nur vereinzelt ein Haßenkrug gegenübersteht.
Kann es nun wohl bezeichnendere Namen geben als diese imperativischen? Kräftigere als Hauenschild und Schüttesper, neckischere als Findekeller und Greifentrog, schwungvollere als Fleugimtanz?
13.
Familiennamen der dritten Schicht.
c) Herkunft und Wohnstätte.
Die von Örtlichkeiten entlehnten Familiennamen gehören zu den ältesten, da diejenigen Personen und Geschlechter, welche Grundbesitz hatten, sich schon sehr früh danach benannten. So finden wir unter den ritterlichen Sängern und Dichtern der Hohenstaufenzeit einen Heinrich von Veldeke, einen Hartmann von Aue (Ouwe), einen Walther von der Vogelweide u. a. Doch war dieser Zuname ursprünglich noch nicht so befestigt, daß bei einem Wechsel des Besitzes die Familie ihn beibehalten hätte; vielmehr wurde in solchem Fall auch der Name vertauscht. So führten z. B. die Freiherren von Attinghausen diesen Namen erst seit ihrer Übersiedelung nach Uri; vorher hießen sie nach ihrer Stammburg im Emmental die Freien von Schweinsberg. So hießen die von Löwenstein früher Bischofshausen, von Bischofshausen, jetzt Bischhausen an der Schwalm; als sie aber im 13. Jahrhundert ihre neue Burg erbauten, nahmen sie ebenfalls die neumodische Benennung an.[61]