Daher stammt nun eine außerordentliche Menge von Familiennamen, die einfach aus einem Ortsnamen bestehen. Besonders leicht zu erkennen sind die zusammengesetzten, bei welchen etwa folgende Ausgänge die häufigsten sind:

Dazu die Endung

Diesen schließen sich in der Häufigkeit zunächst an die auf

Im ganzen ist der Ortsnamen, die zugleich als Familiennamen dienen, eine ungezählte Menge, da es kaum einen größeren Ort in Deutschland gibt, dessen Name nicht auch als Familienbezeichnung sich fände. Viele Familiennamen, die sonst fast als unlösbare Rätsel erscheinen, werden ohne weiteres klar, sobald man ein geographisches Wörterbuch zur Hand nimmt.[65]

Freilich wird anderseits auch die sichere Deutung und Heimweisung vieler Familiennamen durch das Hereinspielen der Ortsnamen erschwert, da nicht wenige der letzteren mit Personennamen buchstäblich übereinstimmen. Z. B. ist Seeger eine Weiterbildung des altdeutschen Personennamens Sigher, zugleich aber auch ein Ort in Pommern; Roth, für welches schon eine doppelte Quelle nachgewiesen ([S. 48]), findet sich auch häufig als Ortsbenennung, von rode abzuleiten ([s. oben]). Außerdem tragen viele Orte Namen von Gegenständen der Natur, sei es durch zufälliges Zusammentreffen, wie in Hahn, welches hier doch nur Zusammenziehung aus Hagen ist, oder indem der Name eines Tieres, einer Pflanze ohne weiteres, ohne Anhängung einer Endung, auf einen Ort übertragen wurde. Es tritt an diesem Punkte ein Mangel in der Namengebung hervor, da viele Bezeichnungen unterschiedslos als Personen- wie als Ortsnamen dienen, z. B. Baum, Habicht, Kranz, Nagel, Wohlgemuth. Daher ist hier besondere Vorsicht geboten, und es ist in solchen zweifelhaften Fällen jeder Name möglichst durch Einzeluntersuchung klarzustellen.

Leichter sind diejenigen Familiennamen zu erkennen, welche durch Ableitung von Ortsnamen gebildet sind, und zwar mittels der Endung er wie: Eppinger, Meißner.[66] Diese Bildungsweise hat jedoch geringere Verbreitung und ist hauptsächlich oberdeutsch. So gehören bei Fröhner (Karlsruher Namenbuch) unter etwa 100 von Orten hergeleiteten Familiennamen zwei Drittel hierher, während in Hoffmanns hannöverschen Namenbuche unter etwa 300 derartigen Namen sich (abgesehen von den neueren jüdischen) kaum 10 finden, und diese erklären sich durch oberdeutschen Zuzug.[67]

Die meisten der auf [S. 54] f. aufgeführten Endungen bilden Familiennamen dieser Art, wobei sich durch Hinzutreten des Umlautes aus manchen zwei Formen entwickeln, so aus -dorf: -dorfer und -dörfer, aus -bach: -bacher und -becher. Demnach haben wir