Stellen wir zu dem Ende vorerst die Grenzen des deutschen Sprachgebietes fest, welche im wesentlichen ja auch die der deutschen Familiennamen sind![84]

Wenn wir im Nordwesten beginnen, so folgt die Grenze zwischen Deutsch und Niederländisch vom Dollart aus im ganzen der politischen Grenze zwischen Deutschland und Holland.

Bei Eupen setzt das Französische ein, und die Grenze zwischen Deutsch und Französisch fällt nun seit Rückgewinnung des Elsasses meist wieder mit der politischen zusammen, indem nur bei Malmedy und Metz das deutsche Sprachgebiet zurückweicht, während es anderseits bei Luxemburg bis nach Arlon in Belgien hinübergreift.

Von der Schweiz ist der Norden und die Mitte deutsch, derart, daß etwa Solothurn, Freiburg, Gsteig (Kanton Bern) und Leuk (Kanton Wallis) die äußersten deutschen Punkte nach Westen sind.

Am Rosaberge bildet Issime den südlichsten Vorsprung in das romanische — westlich französische, östlich italienische Sprachgebiet. Von hier geht die Grenze nordöstlich über den St. Gotthard, Chur, Martinsbruck, die Ortlerspitze, Salurn (Tirol), Brunecken bis Pontafel in Kärnten, wo drei Sprachen: Deutsch, Italienisch, Slawisch zusammenstoßen.

Von Pontafel zieht sich die Grenze zwischen Deutsch und Slawisch, im ganzen der Drau folgend, ostwärts bis Radkersburg an der Mur, von da nordwärts bis zur Mündung der Feistritz in die Raab, wo wir zuerst auf das Madjarische stoßen.

Weiterhin bis Preßburg ist die Sprachgrenze — zwischen Madjarisch und Deutsch — in welche sich überdies slawische Sprachinseln eindrängen, vielfach zerrissen; doch greift das Deutsche bedeutend nach Ungarn hinüber bis Körmönd, Güns, Wieselburg und bildet auch im eigentlichen Ungarn viele Sprachinseln, besonders in der westlichen Hälfte und im Banat.

Bei Preßburg stoßen wir wieder auf das Slawische (Westslawen). Durch das mährische Tor zwischen Olmütz und Znaym haben sich die Tschechen tief hinein ergossen bis Budweis, Pilsen, Leitmeritz, Turnau, Josephstadt, so daß nur die inneren Abhänge der Grenzgebirge Böhmens deutsche Landbevölkerung bewahrt haben.

In Preußen ist der ganze Ostrand von Pleß bis Oletzko überwiegend slawisch (polnisch), also der Südosten von Schlesien etwa bis Ratibor, Zülz, Namslau, die größere östliche Hälfte von Posen, das mittlere Drittel von Westpreußen, nördlich von Bromberg bis zur Ostsee (Kassubei), der Süden von Ostpreußen (Masuren). Doch sind auch diese als überwiegend polnisch bezeichneten Landschaften von vielen deutschen Sprachinseln durchsetzt und zeigen in dieser Hinsicht ein sehr buntes Bild.