Noch ist eine slawische Sprachinsel zu erwähnen: die Sorbenwenden in der Lausitz, zwischen Bautzen, Muskau, Senftenberg, Peitz.

Östlich von Goldap beginnt die Grenze zwischen Deutsch und Littauisch, welche zuerst fast ganz mit der politischen Grenze gegen Rußland übereinstimmt, dann nördlich von Pillkallen sich westwärts wendet und an der Mündung der Gilge ins Kurische Haff die Küste trifft.

Endlich im Norden die Grenze gegen das Dänische! Dieselbe wird ungefähr durch eine Linie von Hoyer an der Nordsee über Tondern nach Gravenstein bezeichnet; aber nördlicher gelegene Orte, namentlich Apenrade, Hadersleben, Christiansfeld sind noch deutsch.

Außerhalb dieses Hauptgebietes finden sich noch mannigfache deutsche Inseln, besonders an dem ganzen Südost- und Ostrande: so Gottschee in Krain, viele Kolonien in Ungarn (Arad, Weißkirchen, die Zips), in Siebenbürgen (Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz), in Russisch-Polen (Lodz), in den russischen Ostsee-Provinzen Kurland, Livland, Estland, an der Wolga, endlich jenseit des Ozeans in Amerika und Australien.

Innerhalb des zusammenhängenden deutschen Gebietes sind nun zwei sich kreuzende Linien zu ziehen: eine von Nord nach Süd, um die Grenze zu bezeichnen, bis zu welcher sich slawische Einflüsse infolge früherer Besiedelung (s. [Beilage 3]) noch heutzutage in der Namengebung bemerklich machen — eine zweite von West nach Ost, um die Scheide zwischen Ober- und Niederdeutsch[85] festzustellen.

Die Scheidelinie zwischen Deutsch und Slawisch (Wendisch) wird im allgemeinen gebildet durch Elbe, Saale, Böhmerwald. Das Genauere ist, daß eine Linie von der Kieler Bucht in einigen Windungen, doch im ganzen nach Südost verlaufend (zwischen dem 28. und 32. Meridian), über Lüneburg, Oschersleben, Naumburg, Koburg, Waldmünchen (im Böhmerwalde), Windisch Garsten (in Österreich ob der Enns), Pontafel die äußerste Westgrenze der slawischen Eroberungen im 6.-9. Jahrhundert bezeichnet.

Die Scheidelinie zwischen Oberdeutsch und Niederdeutsch geht über Bonn, den Harz, die Niederlausitz — genauer: von Eschweiler (an der holländischen Grenze) über Bonn, Siegen, Münden, Aschersleben, Wittenberg, Lübben bis Birnbaum (Posen), wo das Polnische beginnt.

Doch ist diese Linie natürlich nicht haarscharf zu ziehen; denn Übersiedelung, gegenseitiger Verkehr, Unterjochung des einen Stammes durch den andern, Vermischungen aller Art haben beide Mundarten — besonders an der Grenze — oft durcheinander geworfen. Daher finden sich südlich jener Linie noch an manchen Orten niederdeutsche Elemente, nördlich oberdeutsche, ja beträchtliche deutsche Sprachinseln am Oberharz (um Klausthal) und in Ostpreußen (um Wormditt und Guttstadt), letztere wohl durch Einwanderer entstanden, welche im Anfange des 17. Jahrhunderts aus Oberdeutschland in das pestverheerte Littauen zogen.

Durch Ziehung dieser beiden sich kreuzenden Linien wird das ganze Gebiet in vier Viertel zerschnitten: Nordwest, Nordost, Südwest, Südost, die wir nach dem Grundcharakter der Familiennamen bezeichnen als: niederdeutsch, niederdeutsch-wendisch — oberdeutsch, oberdeutsch-wendisch.

Im folgenden soll nun für das deutsche Reich eine genauere Charakteristik der geographischen Verteilung der Familiennamen versucht werden.