Auch im östlichen Hannover zwischen Weser und Elbe, dem alten Ostfalen, finden sich noch bedeutende Anklänge an die westfälische Namengebung, indem die örtlichen Elemente, namentlich brink, brock, horst, kamp noch weithin ausgestreut sind, östlich bis an die ehemalige slawische, südlich bis an die hochdeutsche Sprachgrenze.[87] Indessen sind sie doch entschieden weniger zahlreich, und die Ableitungen brinker, kämper usw., sowie die etwas langatmigen Zusammensetzungen (auch auf kötter) fehlen. Dasselbe tritt bei dem Namen Meyer hervor, der auch hier außerordentlich häufig erscheint, jedoch überwiegend einfach, während in Westfalen die Zusammensetzungen auf -meyer vorherrschen.
So bietet diese Namengebung trotz vielfacher Verwandtschaft doch nur ein sehr abgeblaßtes Bild der westfälischen.
Dagegen gehen die Patronymika in wesentlich unverminderter Häufigkeit hindurch. Als neu treten hinzu eigentümliche Ortsbezeichnungen auf -bostel, -horn, -sen (Abkürzung aus -sheim), z. B. Rodenbostel, Ehrhorn, Bellersen (wie diese schon unter den Kreisstädten durch Fallingbostel, Gifhorn, Wennigsen vertreten sind).
Als Verkleinerungsform begegnet hier zuerst häufiger ke (wofür bisher das friesische je und das genet. ken oder gen), insbesondere nach dem Wendlande und der Altmark hin.
Im Kreise Dannenberg erinnern Ortsnamen wie Lüchow, Liepe daran, daß wir nunmehr die Linie überschritten haben, welche die slawischen Eroberungen vor dem 9. Jahrhundert bezeichnet, daß wir uns in dem hannöverschen Wendlande befinden, wo (in den Ämtern Lüchow und Gartow) bis ins 18. Jahrhundert hinein wendisch gesprochen wurde und in der Volksmundart noch jetzt einzelne dem Wendischen entlehnte Ausdrücke sich erhalten haben.
Hier stoßen nun auch unter den Familiennamen wendische Formen wie Wiebelitz, Glabbatz, Gramüsch auf.
Und so kommen wir zu dem Nordosten Deutschlands, dessen Charakter im allgemeinen als niederdeutsch-wendisch zu bezeichnen ist.
Nordost.
Der Nordost umfaßt die weitausgedehnten Ebenen östlich der Elbe, die seit Gründung der Nordmark in jahrhundertelangem Ringen den Slawen (Wenden) wieder abgewonnen wurden, d. h. das östliche Holstein, Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, bis zur polnischen beziehungsweise littauischen Sprachgrenze im Osten und Südosten (s. [S. 71]) und bis zur Grenze des Hochdeutschen im Süden.
Hier, in der Heimat Fritz Reuters, wird man auch in den Familiennamen noch den niederdeutschen Charakter ausgeprägt erwarten.