Die häufigste Verkleinerungsendung ist -el in Namen wie Göthel, Hähnel, Neydel, Seidel, Siegel, Weigel; Barthel, Jäckel. Den oberdeutschen Formen auf l und z (häufig vergröbert tsch) tritt in den nördlichen Gegenden ziemlich oft das niederdeutsche k zur Seite; so finden sich nebeneinander Heinze und Heinecke, Dietze und Diecke. In den südlichen Landschaften (dem Königreich Sachsen) tritt an Stelle des ke (-icke) das mehr hochdeutsche -ig (-ich): Heinig (Heinich), Theurig, Uhlig, Gerbig.
Ableitungen auf -er von Ortsnamen (Straßberger, Schönfelder, Clausnitzer) treten hier zurück, mit Ausnahme der nicht seltenen zweisilbigen, wie Berger, Langer (von Ortsnamen Berg, Lang), Birkner, Jeßner, Klingner, Ließner, Lindner, Meißner, Ölsner (von Ortsnamen auf -en: Birken, Jessen usw.).
Durch das Zusammentreffen von Oberdeutsch und Slawisch werden in Namensformen (deutschen wie auch slawischen Ursprungs) harte Zischlautverbindungen erzeugt: zsch, tzsch, nicht allein im Auslaut: Fritzsche, Klotzsch, Pietzsch, Roitzsch, sondern (im Königreich Sachsen) auch im Anlaut: Zschweigert, Zschinsky, Tschucke.
Überhaupt blickt der slawische Untergrund, wenn auch die deutschen Namen, von der Lausitz abgesehen, ganz bedeutend überwiegen, doch noch hie und da durch in Namen wie Gaudlitz, Muschwitz (von den entsprechenden Ortsnamen), Nowak, Noack (= Neumann), Schunak, Hannusch.
Die südlichen Kreise des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., die den größten Teil der Lausitz mit ihrer urspr. sorben-wendischen Bevölkerung in sich schließen, haben zwar ebenfalls die deutschen Verkleinerungsformen auf l und z (tsch), doch häufiger das aus zwei Quellen (niederdeutsch und wendisch) fließende Suffix k: Janke, Paulke, Hannuske, Dammaschk, Scholtka, Hanko. Bisweilen sind l oder z mit k in deutschen Zwitterformen wie Henkel, Kunzke vereinigt.
Ortsnamen werden fast immer unmittelbar übertragen: Goldbach, Hanstein, Wollenberg — Ukrow, Schillow, Matzkow, Dubrau; -ow und daraus verdeutscht -au (wie in den Städtenamen Kalau, Luckau, Sorau usw.) sind hier die gewöhnlichen Endungen slawischer Ortsnamen. Das Wendische tritt natürlich stark hervor, bis zu 40 v. H. und drüber, in Gebilden wie (außer den schon erwähnten): Kuba, Koalick, Mudrak, Woitschach, Natusch, Nawotnik.
Eine ebenfalls starke wendische Beimischung zeigt die Oberlausitz, am stärksten im Kreis Hoyerswerda. Im übrigen leitet die Oberlausitz (wie auch schon Sachsen) durch das Vorschlagen der Verkleinerungsform -el und die Ableitungen auf -er von Ortsnamen, wie Elsner, Wiesner, nach Schlesien hinüber.
Da Schlesien wie eine langgestreckte Halbinsel in das slawische Sprachmeer, zwischen Tschechenland und Polen, hinausragt, so ist es natürlich, daß fast überall slawische Elemente auch in den Familiennamen hervortreten. Im Innern der Provinz ist dies freilich nur in geringem Maße der Fall, in desto größerem aber an den Rändern, besonders im Osten, wo Preußisch-Schlesien unmittelbar an das Polnische (in Posen und Russisch-Polen) und im Südosten, wo es an das sogenannte Wasserpolnische (in Oberschlesien) stößt, während im Westen noch ein Streifen deutscher Bevölkerung (in Österreich) vorgelagert ist. Am stärksten ist diese slawische Beimischung in der Ecke zwischen dem Posenschen (Rawitsch) und Oberschlesien (Kreuzburg), besonders in den Kreisen Namslau und Wartenberg,[95] wo die -ek (Adamek) und -ak (Stepaniak), die -owski und -inski usw. 40–50 v. H. ausmachen. Dagegen ist in den oberschlesischen sprachlichen Grenzkreisen Leobschütz, Neustadt, Falkenberg, Neiße, Grottkau nur etwa ⅕ der Familiennamen slawisch.[96] In der deutschen Namengebung fehlen die Patronymika (Genetiv, Ableitungen auf -ing, Zusammensetzungen auf -sen). Von den Verkleinerungsendungen ist -ke wohl meist dem Slawischen zuzuweisen, z begegnet fast nur in den bekannten „Hinz und Kunz“ (Heinze und Kunze), häufiger in den breiteren Form tsch: Bartsch, Fritsch, Nitsche — bisweilen sch: Kunsch — mit k verbunden: Nitschke. Obenan steht jedoch wie in Sachsen -el: Göbel, Menzel, Riedel, Seydel, Thiel (aus Thiedel) — Hensel, Jäckel — Hentschel.
Ortsnamen werden meist einfach übertragen: Steinberg, Kunzendorf, Süßenbach, Baumgart, wobei -berg, -dorf, -bach voranstehen, während die urspr. slawischen Ortsnamen überwiegend auf -witz und -itz endigen: Plagwitz, Nittritz. Doch wird die Endung -er an Ortsnamen auf -berg häufig gehängt: Grünberger, Riesenberger, Rosenberger, und einsilbige Ortsnamen erfahren gewöhnlich diese Verlängerung: Brieger, Glatzer. Ganz besonders aber sind zweisilbige Ortsnamen auf -en anscheinend immer nur in dieser Weiterbildung verwendet, so daß sich hieraus eine lange Reihe solcher Familiennamen ergibt: Elsner, Ilgner, Kösner, Kutzner, Klingner, Langner, Lindner, Moschner, Wiedner, Wiesner von den Ortsnamen Elsen, Ilgen, Kösen usw.