In Baden tritt auf dem Gebiete der Schmeichelformen das z (vergröbert tsch: Fritz, DietzFritsch, Dietsche, Bertsch) entschieden in den Hintergrund gegen das andere Suffix l. Dieses nimmt hier die eigentümliche Form -le an, welche im Unterrheinkreis (auf fränkischem Boden) noch gegen -el zurückstehend, je weiter nach Süden desto mehr an Zahl wächst, so daß südlich von der Murg (auf alemannischem Boden), namentlich aber im Seekreise die Merkle und Bürkle, die Enderle und Eberle eine fast unbestrittene Alleinherrschaft üben. Selbst Namen der dritten Schicht müssen sich dieser Herrschaft fügen: Kränzle, Drechsle (statt Drechsel = Drechsler), Sütterle (von Sutter, Schuhmacher). Nur im Oberrheinkreise tritt daneben ziemlich häufig -lin auf: Bürklin, Brendlin, Sütterlin, wie dieses auch auf der andern Seite des Rheines, im Elsaß, nicht selten ist, man denke an Oberlin, Köchlin. Nach der Schweiz weisen einige Formen auf i wie Erni, Bläsi, Rudy (bisweilen verstärkt durch n: Lüttin, Wältin, Willin). Unter den Vollnamen sind eigentümlich einzelne Verkürzungen des -hart in -et wie Bernet, Ehret, Werneth.

Unter den von Örtern entlehnten Familiennamen gewinnen die Ableitungen auf -er nunmehr schon im Unterrheinkreis die Oberhand und verdrängen weiter nach Süden die einfache Übertragung der Ortsnamen fast vollständig. Den Reigen führt -inger: Götzinger, Hottinger, Zähringer, demnächst -berger. Beide zusammen bilden ⅔ aller bezüglichen Namen. Während -ingen und -berg abgesehen von Adelsnamen wohl immer umbiegen, verhält sich -bach wie auch sonst auffallend spröde dagegen und bildet nur in der Minderzahl der Fälle weiter: -bacher seltner -becher.

Wie hieraus hervorgeht, schwankt der Umlaut; so auch in -hauser und -häuser, -hofer und -höfer; doch herrschen im allgemeinen in dieser Klasse die nicht umgelauteten Formen vor, wie auch unter den Namen, welche von der Beschäftigung hergenommen sind, Kammerer und Kuster (Kusterer) und Kohler auffallen.

Ähnliche Verhältnisse wie im Badischen herrschen wesentlich in Württemberg mit Einschluß von Hohenzollern. Auch hier überwiegt als Verkleinerungsf. -le. Schon im Nordosten, im Jagstkreise (auf fränkischem Boden) mindestens die Hälfte der Verkleinerungsformen mit dem Kern l bildend, füllt es im südlichen Württemberg (auf schwäbisch-alemannischem Boden) über 75 v. H. Schier endlos ist die Reihe dieser Schmelzle und Schwämmle, Bäuerle und Mayerle, Endele und Bendele, Dägele, Hägele, Nägele, Wegele. Daneben kommt nur noch -el einigermaßen in Betracht (Denzel, Immel), da -lin (Hölderlin), -len (Enßlen) und -lein (Merklein) nur vereinzelt auftreten. Hingegen gehen die Verkleinerungen auf z in mäßiger Zahl durch alle Kreise, ohne die badische Vergröberung in tsch.

Patronymika auf -ing (Schilling, Gehring, Scheuring) sind hier häufiger als im Badischen. Unter den von der Beschäftigung entlehnten Namen sind besonders häufig Müller und Maier (Mayer — immer mit a), beide, namentlich letzterer auch in vielfachen Zusammensetzungen wie: Steinmaier, Burkardsmaier, Katzenmaier, Stegmayer. Ihnen ziemlich gleich an Zahl kommen Schmid[93] und Schneider, die aber die Zusammensetzungen fast ganz entbehren.

Eigentümlich süddeutsche Handwerks- und Amtsbezeichnungen sind: Beck (in Baden meist noch Becker), auch in Zusammensetzungen wie Brodbeck, Pfister, und Pfisterer (aus lat. pistor), Sautter (aus lat. sutor), HafnerForstner, Sigrist.

Was die Lokalia betrifft, so herrschen wie in Baden die Ableitungen auf -er von der Tauber bis zum Bodensee ganz entschieden vor. Unter ihnen stehen, entsprechend der großen Zahl württembergischer Ortsnamen auf -ingen, die -inger obenan: Breitinger, Griesinger, Junginger, Sickinger. Als eigentümlich süddeutsche Formen (auf alemannisch-schwäbischem Boden) schließen sich an: Allgöwer, Ettwanger, Beißwänger, Winterhalter, Dannegger, Moosbrugger, Sonnenmoser, Bogenrieder.

In lautlicher Hinsicht ist anzumerken, daß häufig ai für ei eintritt: Aichele, Sailer, Stainer, Schnaithmann, wie dieses ai sich auch schon in den Ortsnamen bemerklich macht (Waiblingen, Spaichingen, Crailsheim u. a.) — sodann hin und wieder uo statt u: Ruof, Schraishuon. Konsonantisch fällt eine gewisse Einfachheit der Schreibung auf. Ganz entgegen der sonstigen Orthographie der Familiennamen, die mit Vorliebe soviel Buchstaben als möglich setzt, stimmt hier die Schreibung im allgemeinen mit den gewöhnlichen Regeln überein und enthält sich besonders der unnötigen Häufungen ck, tz, dt, ll.[94]

Südost.

Das thüringisch-sächsische Gepräge der Familiennamen setzt sich auch noch östlich der Saale in den dorthin sich erstreckenden Teilen der preußischen Provinz Sachsen (den Kr. Delitzsch, Bitterfeld, Torgau, Schweinitz, Liebenwerda) sowie in dem Königreich Sachsen im allgemeinen fort.