Wichtiger aber ist, daß die Ortsnamen, um Familiennamen zu werden, nunmehr häufig die Endung -er annehmen: -bacher, -burger, -heimer, -inger, z. B. Morschbacher, Straßburger, Weinsheimer, Dillinger — mit Umlaut: -becher, -häuser, -thäler: Dörrenbecher, Oppenhäuser, Lichtenthäler.
Die Nähe der französischen Sprachgrenze (Kr. Malmedy) verrät sich in Namen wie Dieudonné, Dollibois u. a.[92]
Überschreiten wir den Rhein ostwärts, so finden wir in dem Nassauischen (Regb. Wiesbaden) den allgemein oberdeutschen Charakter, ohne stark hervortretende Besonderheiten. Derselbe setzt sich auch in Hessen und Thüringen fort, so daß wir diese Landschaften bis zur Saale hier zusammenfassen können.
Genetivische Namen können hier kaum noch in Betracht kommen; sie bilden schon im Nassauischen nur etwa 2 v. H. und verlieren sich weiter nach Osten so gut wie ganz. Dagegen gehen die Patronymika auf ing, wenn auch in geringem Hundertsatz, durch bis zur Saale.
Verkleinerungsformen werden auf -el gebildet (bisweilen in Thüringen verstärkt durch n: -lein, z. B. Gäbelein) und auf z, für welches letztere mitunter das vergröberte tsch eintritt: Fritsch, Götsch neben Fritze, Götze. Da jedoch die Dialektgrenze nicht fern ist und diese Scheidelinie sogar durch das ehemalige Kurfürstentum geht, somit ein, wenn auch nur kleiner Teil desselben (Kr. Hofgeismar, Wolfhagen) in den Bereich des Niederdeutschen fällt, so ist es nicht verwunderlich, daß auch südlich von dieser Linie niederdeutsche Formen öfters begegnen, besonders in Hessen und Thüringen: Gerke, Hennicke, Meinecke, Fricke.
Von den Handwerksnamen sind am häufigsten Schmidt und Müller nebst einigen Zusammensetzungen und in den Hannover benachbarten Landschaften Meyer, einfach und in Zusammensetzungen, Schulz dagegen findet sich nur sehr vereinzelt. Auch in dieser Klasse zeigen sich niederdeutsche Formen, so auffallend häufig in Hessen Möller neben Müller.
Die Ortsnamen werden überwiegend ohne Ableitungsendung übertragen: Lauterbach (bach hier das häufigste Grundwort), Henneberg, Sonnefeld usw., dabei wird -rode meist in -roth gekürzt (Germeroth), auch in -rott (Ascherott), ähnlich das eigentümlich thüringisch-sächsische -leben (Hallensleben) häufig in -leb: Rinkleb, Witzleb. Viel seltener (in Nassau etwa ⅓ in Hessen und im nördlichen Thüringen noch weit weniger zahlreich) sind die Ableitungen auf -er: Reichenbächer, Dillenburger, Henneberger, Saalfelder, Staudinger, Herchenröder.
Die Annäherung an die ehemals slawische Ostgrenze macht sich bemerklich in Bildungen wie Stiebritz, Löbnitz — Gölitzer.
Gehen wir wieder zurück an den Rhein, um nach dem eigentlichen Süddeutschland — südlich vom Main — zu gelangen!
Dieser Übergang markiert sich in Hessen-Darmstadt (Starkenburg, Rheinhessen) durch das Auftreten des ai, ay (statt ei): Hainz, Mayer neben Meyer, sodann dadurch, daß die Ableitungen auf -er von Ortsnamen gegenüber den einfach übertragenen Ortsnamen häufiger werden und letzteren nunmehr schon das Gleichgewicht halten.