Doch bleiben auch hier die deutschen Namen ganz überwiegend in der Mehrheit, derart, daß, alles zusammengerechnet, die wendischen kaum irgendwo ein Drittel der gesamten Zahl erreichen.
Ihre Zahl wächst allerdings überall nach der slawischen Sprachgrenze hin, so in Brandenburg nach der Niederlausitz, in Pommern nach der Kassubei hin. In Pommern bezeichnet der Küstenfluß Lupow etwa die Grenze, hinter welcher erst das Übergewicht der slawischen Namengebung hervortritt. Wunderlich klingende Gebilde wie Gromoll, Pigorsch, Piotraschke, Quardux beherrschen hier das Gebiet, während südöstlich, hinter Bütow, die sich vordrängenden -ski an die Nähe der polnischen Sprachgrenze gemahnen.
Überspringen wir die Kassubei, so kommen wir zu dem schönen deutschen Stücke zwischen den beiden Angelpunkten Danzig und Königsberg. Hier an der nördlichen Ostmark deutschen Wesens, wo drei Sprachen: deutsch, slawisch (in Masuren), littauisch zusammentreffen, zeigt sich eine sehr bunte Mischung auch im Bereiche der Familiennamen. Die Grenze gegen diese beiden Sprachen ist im vorigen Kapitel angegeben; aber auch in den verbleibenden deutschen Teil sind häufig slawische und littauische Namen (s. [Beilage 3]) eingesprengt. Doch können diese weniger auffallen, als eine eigentümliche Klasse unter den deutschen Namen, nämlich die mit entschieden süddeutschem Gepräge wie: Fischöder, Scharfetter, Rohrmoser, Obersperger. Diese Namen, welche auf Österreich (und Bayern) hinweisen, sind durch die 1724 aufgenommenen Salzburger hierher verpflanzt.
b) Oberdeutschland.
Südwest.
Südlich der Linie, die von Bonn am Rhein über den Harz bis zur Nordgrenze der Niederlausitz (Lübben) geht, beginnt das oberdeutsche Gebiet. Dieses kennzeichnet sich im Bereich der Familiennamen zunächst durch den Wegfall des eigentümlich Niederdeutschen in Lautverhältnissen und Wortformen. Namentlich gilt dies auch von den Bildungselementen der Verkleinerungsformen: an Stelle des k (g, j) tritt l in seinen mannigfaltigen Gestaltungen (s. [Seite 33]) und z.[91]
Beginnen wir am Rhein, mit der preußischen Rheinprovinz, so handelt es sich besonders um die Regierungsbezirke Koblenz und Trier.
Die genetivischen Namen, welche in dem nördlichen linksrheinischen Teile dieser Provinz überwogen (Henrichs, Reichartz, Caspers, Eckes, Hoppen), bilden auch hier im Nordwesten (Kr. Daun, Prüm) fast noch die Hälfte der Familiennamen, sie nehmen aber je weiter nach Osten und Süden desto mehr ab, bis sie in den Kreisen Saarbrücken und St. Wendel sowie Altenkirchen (auf dem rechten Ufer) nahezu verschwinden.
Das bisherige Verkleinerungssuffix k (Hünnekes, Wilkens, Klömpges, Nüßgen, Büschgens) weicht den l und z (Eckel, Thiel — Heinz, Lutz), die hier zum erstenmal im Westen erscheinen.
Was die von Ortsnamen stammenden Familiennamen betrifft, so treten -ich (nich), -rath, -scheid zurück, besonders südlich der Mosel. Statt -rath erscheint auf dem rechten Rheinufer (schon im Regierungsbezirke Köln) -roth (Wilmeroth), welches bis zur Ostgrenze von Thüringen hindurchgeht.