An diesen hier durch dritthalb Jahrhunderte verfolgten Namen zeigt sich

  1. ein allmähliches Schwinden der Form, besonders durch Wegfall eines e, so daß dreisilbige Namen zweisilbig, zweisilbige einsilbig werden (s. Bardenfleth, Bolemann, Lubbecke, Oldehoff, Stekelinck — Arend, Hake, Knolle, Köne, Köpe, Labes, Placke, Timme, Witte);
  2. ein allmählich stärkeres Hervortreten des Umlautes (s. Krossin, Lubbeke, Moller, Ruchel);
  3. ein zum Teil schon früher, zum Teil aber auch sehr später Übergang aus der niederdeutschen in die hochdeutsche Form: Kröger schon ums Jahr 1700 Krüger, dagegen Möller erst seit 1850 Müller — während andere Namen standhaft die niederdeutsche Form behaupten (s. namentlich Ollhoff, Stekling), oder nach einigem Schwanken wenigstens schließlich bei ihr beharren (s. Niemann).

Im ganzen ist die Entwickelung eine naturgemäße, der sprachlichen Entwickelung gleichlaufend; nur zwei Namen weisen eine Entstellung auf: Kressin (st. des richtigeren Krössin) und Bornfleth (st. Bardenfleth, O. im Oldenburgischen).

Beilage 3.
Fremdsprachige Namen in Deutschland.

a) Slawische.

Schon bei der ersten Festsetzung der Familiennamen mischten sich in bedeutendem Maße fremde Sprachelemente ein, und zwar slawische. Als die Hauptmasse der Germanen in der Völkerwanderung nach Westen und Süden zog, wurde der Osten Deutschlands fast ganz entleert, und die aus dem fernen Osteuropa hervordringenden Slawen rückten über Weichsel und Oder in die Lücke ein. Die wenigen Germanen, welche etwa in der ursprünglichen Heimat geblieben, konnten der herandringenden Slawenflut nicht Widerstand leisten, sie mußten sich unterwerfen und verschmolzen mit den neuen Einwanderern. Erst an der Elbe staute sich die Flut, und so füllten seitdem die Slawen in ihren verschiedenen Stämmen den Osten Deutschlands bis zur Elbe und Saale, ja zum Teil noch darüber hinaus. In Mecklenburg saßen die Obotriten, in Brandenburg die Wilzen, Heveller u. a., in Pommern die Pomoren, im Meißnischen die Dalemincier, in Schlesien die Belochrobaten usw. Jahrhunderte lang sah die Elbe auf ihren beiden Ufern ganz verschiedene Völker: links die Deutschen (Sachsen und Thüringer), rechts die Slawen (Wenden), die sich in unaufhörlichen Fehden und Beutezügen bekämpften. Mit den Karolingern begann der Rückschlag; doch erst seit der Hohenstaufenzeit drang die deutsche Nation wieder mit Stetigkeit vor. Im Süden wurde durch die Stiftung des Bistums Bamberg und im Norden durch die Gründung der Nordmark an der untern Elbe die Grundlage gewonnen zu weiterem Vorschreiten. Von da ab mußten die Wenden immer weiter nach Osten zurückweichen, und in jahrhundertelangen blutigen Kämpfen wurden die ausgedehnten Landschaften zwischen Elbe und Oder, sodann zwischen Oder und Weichsel größtenteils dem Deutschtum wiedergewonnen.

So gewaltsam man auch gegen die Wenden verfuhr, es verblieben doch viele in ihrer seit Jahrhunderten eingenommenen Heimat, mischten sich zum Teil mit den Deutschen und wurden allmählich germanisiert, oder wo sie in größerer Masse zusammensaßen, behaupteten sie sogar ihre Volkstümlichkeit, ihre Sprache. So gab es in Hannover ein Wendland (im Lüneburgischen), ebenso in Altenburg, wo die höchst eigentümliche wendische Tracht sich bis zur Stunde erhalten hat; in Westpreußen bilden die Kassuben, in der Lausitz die Sorben noch jetzt bedeutende, wenn auch immer mehr zusammenschmelzende Inseln im germanischen Sprachmeer; Oberschlesien ist überwiegend slawisch, und von Südost dringen die Tschechen in Böhmen wie eine Halbinsel fast bis in die Mitte Deutschlands vor.[98]

Diese ursprüngliche Grundlage des Slawischen auch in längst rückgermanisierten Landschaften bekunden noch jetzt die Ortsnamen, die entweder slawisch oder neudeutsch sind. Alle Städtenamen auf -gard, z. B. Naugard (Nowgorod = Neuenburg), alle Ortsnamen auf -ow, -itz, -in — und deren ist Legion — sind slawisch. Wie eine Sündflut hat sich das Slawentum auf die Spuren unserer Altvordern gelegt.

Daher nun so vielfache slawische Elemente auch in den Familiennamen, besonders des östlichen Deutschland!

Zunächst sind die von slawischen Ortsnamen abgeleiteten FN. hervorzuheben, unter welchen vorschlagen die auf