Doch sind diese nebst vielen mehr vereinzelten Bildungen, wie Balfanz, Laabs (O. Labes), Roggatz, v. Wobĕser, nur bedingt hierher zu ziehen; denn wenn auch die Ortsnamen, welche hier zu Grunde liegen, slawisch sind, so ist doch die Art, wie dieselben mit Ergänzung eines Verhältniswortes oder auch durch einfache Übertragung (s. [Kap. 13]) zu Familiennamen gestempelt werden, nicht slawisch, sondern deutsch, und sie treten also zu den deutschen Familiennamen. (Näheres über diese ganze Namenklasse in dem Namenlexikon unter den Endungen in, itz (witz), ow.)

Nach slawischer Art wird von den Ortsnamen eine Ableitung gebildet mit der Endung ski (häufig im Deutschen sky geschrieben), z. B. Grabowski, „der Mann aus Grabow“, Kaminsky, „der aus Kammin“. So entsprechen sich ferner Lassan — Lassansky, Loschitz — Loschitzki, Poblotz — Poblotzki usw. Nur diese also sind als wirkliche und vollgültige slawische Bezeichnungen anzusehen (wenn auch vielfach in halbdeutscher Schreibung).

Den adligen Namen ist im Deutschen dann noch das von vorgesetzt, welches streng genommen doch nur zu dem Ortsnamen selber paßt: von Gostkowski (O. Gustkow), von Lisiecki (sprich Lisiëtzki), von Zelasinski.

Zu diesen eigentlichen slawischen Bezeichnungen treten nun, ähnlich wie im Deutschen, Personennamen mit ihren mannigfachen Sproßformen:

a) ursprünglich slawische, z. B. die auf -slaw (Ruhm): Mieczyslaw „Schwertruhm“;
b) kirchliche: Pawelek (von Paulus); Piotr (Petrus) nebst Petrik, Pechatschek, Pjatrask u. a.;
c) Amts- und Handwerksnamen: Woita (Schulze), Pahnke (Panek kleiner Herr, Junker), Koschnik (Mäher), Pigorsch (piekarz Bäcker) usw.

In überwiegend deutschen Gegenden sind diese Namen großenteils so umgewandelt, daß sie ein mehr deutsches Gepräge angenommen haben: Mitzlaff, Pawelke,[99] Woith — in überwiegend slawischen bestehen sie in unveränderter slawischer Fassung fort.

b) Littauische.

Littauisch Redende finden sich unter deutscher Herrschaft hauptsächlich nur noch in den nördlichsten Teilen des preußischen Regierungsbezirkes Gumbinnen, nördlich von Insterburg und Pillkallen, doch auch hier vielfach durch deutsche Ansiedelungen unterbrochen. Erst die Spitze nördlich von Tilsit, die alte Landschaft Schalauen, ist überwiegend littauisch, so daß hier die deutschen Orte als Inseln (auf Böckhs Karte gelb im littauischen Blau) erscheinen.

In den Familiennamen tritt der ursprünglich littauische Bestandteil natürlich noch in größerem Maße hervor, da auch in den deutsch gewordenen Gegenden viele Einwohner littauischen Stammes leben und die alten Namen, wenn auch teilweis entstellt, fortführen. Doch macht sich überall das Eindringen des Deutschen bemerklich, und so überwiegen littauische Familiennamen selbst unter der Landbevölkerung nur noch etwa in den Kreisen Heidekrug und Tilsit, halten den deutschen das Gleichgewicht in Memel, Ragnit, Pillkallen, bleiben aber in allen übrigen Kreisen in der Minderzahl.