Unter den littauischen Familiennamen stehen im Vordergrunde die ursprünglich patronymischen Bildungen auf -atis und -aitis (vgl. griech. -είδης, -ιάδης), welche dann auch verkleinernd gebraucht werden — z. B. Baltratis von Baltras (Balthasar), Obramaitis von Obramas (Abraham). Gewöhnlich haben sie die Endung is abgeworfen und erscheinen in der Form at, eit: Peterat (von Peter), Josupeit (Joseph). Am deutlichsten erkennbar sind nach ihrem Sinne die Ableitungen von Vornamen, wie die obigen; doch gibt es auch vielfache Ableitungen von Appellativen, wie Kaprolatis von Kaprolas (Korporal), selbst von deutschen Stämmen: Schneidereit, Schulmeistrat.
Zu ihnen treten die Namen auf ies (i-es): Stachulies, und auf us: Schimkus, welche mit jenen zusammen gegen 80 v. H. der littauischen Familiennamen ausmachen. Dadurch erhält die Namengebung etwas Eintöniges, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß manche dieser Namen, wie Adomaitis, Rodatis, Laugallies recht vollen Klang haben.
Auf ihrer Wanderung nach Westen erleiden diese fremdartig klingenden Namen, von ihrer Heimat abgetrennt, manche Entstellungen: atis wird abgeschwächt in ates (Norekates), Obromeit abgeschliffen in Obermeit, die Endung at erscheint in schlechter Schreibung als adt, ath, aat.
c) Romanische.
1. Französisch. Hier kommen weniger in Betracht die 10000 Wallonen im rheinpreußischen Kreise Malmedy und die im Reichslande Elsaß-Lothringen verbliebenen Franzosen (gegen 250000), als die Hugenotten, welche Ludwig XIV. durch seine Bedrückungen zur Auswanderung veranlaßte. Als derselbe alternd samt seiner Umgebung von leichtsinniger Sittenlosigkeit zu heuchlerischer Frömmigkeit übergegangen war, begann er die Protestanten in seinem Reiche zu verfolgen, um durch ihre gewaltsame Bekehrung sich ein Verdienst im Himmel zu erwerben. Durch Vertreibung und Hinrichtung ihrer Geistlichen, durch Schließen und Niederreißen ihrer Kirchen und Schulen, durch Wegnahme ihrer Kinder, um sie im Katholizismus erziehen zu lassen, suchte er sie zum Abfall von ihrem Glauben zu bringen, sodann durch Entziehung ihrer Gewerbsrechte und ihrer Sitze in den Gerichtshöfen, endlich durch die berüchtigten Dragonaden oder Einlagerungen von Dragonern und andern Soldaten. Schon jetzt wanderten viele Protestanten aus, und als gar durch den Widerruf des Ediktes von Nantes (1685) der Protestantismus in Frankreich für aufgehoben erklärt und auf die Ausübung dieses Kultus Todesstrafe gesetzt ward, verließen nach und nach, trotz strenger Grenzbewachung und Androhung der Galerenstrafe, viele tausend gewerbfleißige Menschen ihr Vaterland und fanden teils in den Niederlanden und in England, teils in Deutschland Aufnahme. Hier war es besonders Friedrich Wilhelm der große Kurfürst, welcher den Flüchtigen (Réfugiés) bereitwillig eine neue Heimat gewährte. Seit 1672 wurden in Brandenburg an 25000 Hugenotten aufgenommen, vorwiegend in den Städten. Daher noch jetzt die französisch-reformierten Gemeinden an vielen Orten in Preußen, z. B. in Berlin, Magdeburg, Stettin u. a., aber auch in Süddeutschland, z. B. Erlangen.
Zu Ende des 18. Jahrhunderts sind in den Stürmen der Revolution auch viele geflüchtet (Emigranten), und wenngleich die meisten später wieder nach Frankreich zurückgekehrt sind, so haben doch auch manche es vorgezogen, in der inzwischen liebgewonnenen neuen Heimat zu verbleiben, wie der Dichter Adalbert von Chamisso (mit vollständigem Namen: Louis Charles Adelaïde de Chamisso de Boncourt, von dem Schlosse B. in der Champagne).
Daher nun häufig französische Namen in Deutschland, wie Palmier, Bétac, du Mesnil, besonders im Heere: Loucadou, de Courbière (der „König von Graudenz“ 1806), Forcade, de la Motte-Fouqué und viele andere, darunter manche berühmte Namen auch von Gelehrten: Savigny, Michelet, Carrière, du Bois-Reymond.
Fast immer sind diese Namen unverändert erhalten, wenn sie auch im Volksmunde manchmal wunderlich entstellt werden: Boitelet in Budlee, Généola in Schellack. Nur in vereinzelten Fällen ist eine Verdeutschung erfolgt; so hat sich Buttmann, der bekannte griechische Grammatiker, aus franz. Boudemont germanisiert.
2. Italienisch. Italiener sind über die Alpen gezogen besonders als Kunsthändler und Konditoren.