Je häufiger in einer Gegend die Meierwirtschaft, desto häufiger natürlich der Name. Ganz den Verhältnissen entsprechend ist er in Hannover nirgends häufiger als im Hoyaschen und Osnabrückischen. Hier gehören die Meierhöfe meist zu den größten, weil die Meier, das Land der Herren bewirtschaftend, leicht mehr hatten als andere freie Eigentümer, zumal wenn sie Besitzer von Vollhöfen (heile Erven) waren. Manche Meier hatten ganz hervorragende Rechte in ihrer Markgenossenschaft.

In Ostfriesland dagegen, wo die Meier nichts als Pächter der freien Bauern sind, haben sie vorwiegend die kleinsten Besitzungen.

Was nun die Schreibweise des N. anlangt, so ist darin an Mannigfaltigkeit geleistet, was überhaupt mit so wenigen Buchstaben zu leisten war. An das urspr. Major, welches sich auch noch als FN. findet, schließen sich die süddeutschen FF. am nächsten an: MajerMayer, Mayr, Maier, Mair (im Münchener Adreßbuch in den verschiedensten Schreibweisen, doch meist mit ai, ay); in Norddeutschland am häufigsten Meyer (in Hoffmanns hannöv. Namenbüchlein: 234 einfache Meyer, darunter nur 3 Meier, 3 Mejer — 1 Maier, 1 Mayer) — außerdem Meier, Meyr, Meir; Mejer — letzteres noch heute auf dem Lande in Westfalen die gewöhnliche Aussprache für Meyer und Meier, im Osnabrückischen auch kurz Mejjer gesprochen. Die hochdeutsche Aussprache auch für Mejer war stets Maier. Erst in diesem Jh. hat eine Familie Mejer im Hildesheimischen auch die Ausspr. Mejer angenommen, wohl um sich aus der allzugroßen Sippe besser auszusondern. Gen. Maiers, Mayers (österreich.), Meyers (Prüm), Mayern, Meyern (nach der schwachen Biegung). — Die übrigen Ableitungen, welche Fr. Meyer anführt, die Vklff. Mayerl, Meyerlein, die Patronymika Meyering, Meiring erscheinen als zweifelhaft und dürften, bes. die letzteren, eher zu dem Stamme [Mag] I. gehören, s. daselbst Magher.

Im Osnabrückischen hängt dem N. auf dem Lande eigentlich immer noch der appellative Charakter an, auch wenn schon eine Zusammensetzung erfolgt ist. Man geht hier nach heutigem Sprachgebrauch noch stets zum Dütemeyer, man redet noch immer von dem Meier zu N. Vielfach bleibt der N. unzusammengesetzt, bekommt aber von der Bauerschaft oder der Lage des Hofes einen Zusatz, der zum Namen gehört. Solche „halbzusammengesetzten“ N. gibt es im Osnabrückischen eine große Zahl. Fr. Meyer führt aus den Ämtern Iburg, Finsterau, Vörden, Grönenberg, Wittlage gegen 100 N. dieser Art an wie: Meyer zu Atter, M. zu Westrup, M. zu Farcke (aus Vorwerk entstanden, woher auch M. zum Varwick), M. zu Weghorst, M. zu Stockum, M. zu Altenborgloh — selten mit andern Vorwörtern: Meyer im Hagen, M. vorm Bohne.

Viele der ON., die in diesen Bezeichnungen stecken, sind sonst völlig von der Karte verschwunden; aber der N. des Hofes bleibt, auch nachdem die größere Bauerschaft den ON. aufgesogen hat. Alle diese Bildungen sind forterbende, mindestens halbe EN., die zwar in der Anrede fortgelassen werden, aber im Gespräch über den Dritten gang und gäbe sind. So kann es kommen, daß die Bauerschaft Gellenbeck neben einem Meyer zu G. noch einen M. zu Borchsten und einen M. zu Spelbrink aufweist.

Da ist es denn auch nicht zu verwundern, daß sich viele wirkliche Zusammensetzungen finden, in denen der Zusatz den Wohnort angibt. Doch wollen wir bei Aufzählung der Zss. denselben Gang einschlagen, wie in der abhandelnden Darstellung der FN. überhaupt, und demnach zuerst die Zss. mit altdeutschen PN., dann die mit fremden (kirchlichen) PN., dann die nach Gewerbe und Beschäftigung gebildeten usw. aufzählen. Dabei bedeutet m. die gewöhnliche F. Meyer.

   I.  Mit altdeutschen Personen-Namen:
Akemeier (Ath). Albertsmeyer. — Ahrensm., Noltem.; Meierarend (Arnold). — Anselm., Aßm. (Anso). — Berensm., Benningm., Beinkem. (Bernhard, Benno). — Erxm. (Erich). — Gerdsm., Gerkensm. (Gerhard). — Henrichsm., Heinem., Heinzlmaier, Henkem.; Meyerhenrich, -heine, -henke (Heinrich). — Kordem., Kohrm.; Meyerkord (Konrad). Krukem. (Hrod). — Liesem. (Liud). — Ottom., Ottm., Ottensm., Öttm.; Meierotto. — Rolfsm., Rolfingsm. (Rudolf). — Rüpelm. (Ruprecht). — Tiem. (Thiud). — Tramsm. (Bertram). — Uhm. (Aud). — Wilmsm. (Wilhelm).

Mögen diese Beisp. genügen! Die meisten der hierher gehörenden N. wird man erkennen, wenn man den altdeutschen Teil nach den in diesem Lexikon aufgeführten altdeutschen Stämmen aufsucht. So gehört Badmeyer, Bahmeyer zu Bad, Hillm. Hilkem. zu Hild, Lüddekem., Lükem. zu Liud, Determ., Tettm., Tietm., Tödtem., Tütem. zu Thiud.

   II.  Mit kirchlichen Personen-Namen:
Christoffelsmeyer, Stofferm. (Christophorus). — Clausm., Klußm. (Nicolaus). — Dreesm.; Meyerdrees (Andreas). — Gallm. (Gallus). — Grolmsm. (Hieronymus). — Johannesm., Johannism., Johannsm., Johannigm., Janmeyer, Hansm., Henselm.; Meierhans (Johannes). — Josm.; Meyerjobst (Jodocus). — Martensm. (Martinus). — Neelm. (Cornelius). — Peterm., Petringm.; Meyerpeter (Petrus). — Thießm. (Matthias). — Vietm. (Veit).
   III. a) Nach der Beschäftigung benannt, (vielfach erst in Städten entstanden):
Amtmeyer (villicus, qui officiarius est). Grevem.; Grafm. (manche M. waren Unter-Holzgrafen). Jägerm., Krugm.; österreichisch Kretschmayer. Richtsm. (Richter Preuß 34). Schäpermeier. Schmidtm. Schreibm. Schröderm. Schultem. (villicus, qui scultetus est).
(Werkzeuge und Waren): Eisenmeyer. Glasm. Glockem.; niederd. Klockem. Goldm. Kesselm. Pielm. (Pfeil-). Piepm. Vaßm.
(Kleidung): Schürzmeyer. Stiefelm. Zwilgm.
(Speise): Biermeyer. Grützem. Milchmaier.
b) Nach Eigenschaften:
Altmeyer. Biederm. Blaßm. Fröhlichm. Grobm. Grotem. (Groß-). Heulm. Jungm. Kleinm. Langm. Schönem.
c) Nach dem Wohnort:
nach Ortschaften: Attermeyer (M. zu Atter). Bokelm. (Bokel bei Wiedenbrück). Kiffm. (auf der Kiffe bei Osnabrück). Quadkem. (früher, noch 1650 M. to Quatke in Peingdorf, Amt Grönenberg). — Stärker verändert: Emptm. (1514 noch Meyger to Empten, 1650 schon Embttm.). Deitem. (alt Dedinckm. zu Deitinghausen). Rattenm. (M. zu Rattinghausen) —
nach Flüssen: Dütemeyer (zwei Höfe unweit Osnabrück, beide an der Düte). Elsem. (unweit der Else). Hasem. Werrem. (im Kreise Lübbecke an der Werra) —
nach Bergen: Harzmeyer. Hüggelm. (im Osnabrück., am Hüggel).
Allgemein nach der Lage des Hofes: Fordermeyer. Achterm. und Hinterm. Mittem.; Mittelm.; (niederd.) Middelm.; Mittermaier (ahd. mittar neben mittil). Endm. Winkelm. Eckm. Kniem.; Kneem. Stratem., Straßm. Grenzm. Schnatm. = Lanwermeyer. Oberm. (-mayer); (niederd.) Overm. Hochm. Hom. Niederm.; (niederd.) Nedderm.; sogar Oberniedermeyer.
(Himmelsgegend): Ostmeyer und Osterm. Westm. und Westerm. Nordm. (der Inhaber des „Nordhofes“). Südmeyer.
Dorfm. (das Dorf als zusammenliegende Häusermasse im Gegensatz zu den meist ganz zerstreut liegenden Bauerschaften, entsteht gew. in der Umgebung der Kirche und bildet sich hauptsächlich aus wenigen alten Höfen).
(Berg u. Thal): Bergmeyer. Hügelm. Höwelm. (s. [Hübel]). Bühlm.; südd. Büchelmayer; Pichlmaier. Bültem. Brinkm., Bringm. Damm. (früher Henne uppem Damme). Thalm.; Thallmaier; niederd. Dahlm. Schachtmeyer. Kuhlm.
(Wald u. Busch): Holzmeyer; niederd. Holtm. (urspr. Bernt vor dem Holte Preuß 3). Waldm. Forstm. Buschmeyer. Horstm. Lohm.; Lahm. Struckm. (Strauch-).
(Heide): Heidemeyer. Niederheitm.
(Anger und Wiese): Angermeyer. Wiesem.; niederd. Wischm. Driftm. (Triftm.-). Plaggenm.
(Moor und Sumpf): Braukmeyer; Brokm., Broekm. Siekm., Siegm. Maschm. Brühlm. Haarm. (Hochmoor-). Moosmair („Moos“ südd. = Moor). Moddem. („Modde“ = Morast). Solm. Sumpm. Pfitzemaier (Pfützen-). Kolkm. und Pohlm.
(Wasser): Wassermeyer; niederd. Waterm. (de Meyger over dem water Lipp. Reg. 1406 — jetzt Waterm.). Teichm.; niederd. Dieckm. Seem. Brunnem. Pumpm. Bekem.; südd. Pachmayr. Klingm. Canalm. (in Emden). Brüggem.; Brückm. (1380: Henne up der Brucken); südd. Pruckmaier, Pruggm. (österreichisch). Springm. Stegm. Wehrm. (Wehr im Wasser). Sülzem.; niederd. Sültemeyer.
(Acker und dessen Beschaffenheit): Kampmeyer. Kampfm. Lettenmayer. Marschm.; Maschm. Gastm. („Geest“ leichterer Boden). Kalkm. Mergelmeyer. Sandm. Steinm.
(Umfriedigung der einzelnen Hofbesitzungen): Dammeyer. Wallm. Grabenm. Heckem. Zaunm. Knickm. Pahlm. (Pfahl-). Gatterm. (Holzverschlag). Twietm.
(Auf den Hof selbst, seine Größe und seine Teile gehend): Hofm. (Bewohner der curia, des freien Hofes). Sedelmayer, Sedlmayr (häufig in Bayern). Vollm. Heilm. (Vollhüfner). Halbm. Kottm.; Kothm. (die K. haben nur ein Viertelerbe oder noch weniger). — Schünem.; Scheuerm. Stadelm.; Stattm. (s. [Stadler]). Spiekerm.
d) Nach Erzeugnissen des Bodens:
(Getreide-Arten): Gerstemeyer. Haberm.; niederd. Haverm. Hersem. Linsenmaier. Weitem. (Weizen). Veesenm. (Spelt). — Kleem. Grasmeyer.
(Blumen, Kraut): Blom. (alt Blomemeyer, also „Blume“) Rosenm. Krutm.; südd. Krütim. Salatm. Distelm. Piltzm. Rethm.
(Bäume): Birkenm.; Berkem.; Pirkmayr (südd.). Buchm.; niederdeutsch Bokem.; Bökem.; südd. Puchm. Danm. Eichm.; niederd. Eickem. (1502: Gotschalk under den Eken). Ellerm.; Elsm. = Erlenm. Eschenm. Haselm. Hesterm. Lindenm. Pappelm.; niederdeutsch Pöppelm.Kersem. Twiesselm. (wilde Kirsche). Plumm. (Pflaume). Kreikem. Nußm.; niederd. Nottm. Hasselm. Liebesholderm. (Hollunder). Schlem. Dornmeyer.
Manche dieser N., bes. die von Getreide-Arten, können auch auf die Verpflichtung zu bestimmten Fruchtlieferungen hinweisen.
e) Nach Tieren:
(Erzeugnisse des Hofes und ihm obliegende Lieferungen; auf dem Besitztum oder in der Nähe vorkommend; auch vielleicht Eigenschaft der Person.)
Viehmeyer. Bockm. Stehrm. (Widder). Kaum. (Kuh). Oßm. Pferdem. Roßm. Hengstm. Stutem. Ziegenm. Geißm. (österreich.) Katzm. Voßmeyer.
Gosem. Schwanem. Drosselm. Falkem. Finkem. Hafkem. (Habicht). Krehm.; Kreym. Kronem. Uhlem.Bienm. Imkemeyer.
Froschm. Poggenm. Krabbenm. Achelkenm. (Blutegel-). — Eierm. Käsemeyer.
f) Nach Verpflichtungen:
Deschmeyer; Dreschm. Zinsm. Zehntm.; Zehetmayr (bayr.); niederd. Tegetm.; Tägtm.; Techtm.
Auch Kirchm. Klosterm. gehen wohl auf Rechtsverhältnisse, Abhängigkeit von geistlichen Stiftern und Personen; ebenso Abtm. Münchm.; Mönchm.; niederd. Mönkem. Papem. Probstmeyer.
g) Nach Berechtigungen:
Amtm. Grafm. Schultem. (s. [vorhin]). Sattelm. (die Besitzer der sieben Sattelhöfe in der Umgegend von Engern rühmen sich der Abstammung von Wittekinds Gefährten, der in E. einst seinen Sitz hatte wie auch sein Grab. Bei der Beerdigung eines von ihnen ward — oder wird noch? — ein gesatteltes und gezäumtes Pferd vorangeführt — doch s. auch [Sedelmayer]).

b) Als jüdischer Name (VN. und FN.) aus hebr. Me-ir „erleuchtend“. Schon bei Josephus, jüd. Krieg VI, 5, 1 wie Μήιρος; dann öfters in den N. von Gelehrten des Mittelalters, so im 12. Jh. der Bibelerklärer Samuel ben Meïr.