[51] Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen wecke“ als Leckerbissen genannt.

[52] Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß „Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die Schlesier „Eselsfresser“ — in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.

[53] Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die Namenformen Kersten rike neben K. de rike, Floreke witte neben F. de witte. Im Holländischen ist der Artikel geblieben: de Grote, de Jonghe, de Wit; ähnlich im Französischen: Lebeau, Legrand, Lejeune.

[54] Ferner in Urkunden: Marquart der Hunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua proceritate cognominatus Grus (Kranich); Hugo de Wenden dictus Aries (Widder); Hugo Coturnix (Wachtel).

[55] Doch ist bei Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus alten Urkunden angeführt: Heneke mit dem dumen 1373 Braunschw., Liebhard mit der Hand 1383 Augsb., auch Fridericus Mittemmunde 1190; bei Trötscher (Die ältesten Egerer FN.): Chunrat mit der prust, Endres mit dem part — Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen aus der Sage: Bertha mit dem Fuße = B. mit dem großen F., altfranz. Berthe as grands piés.

[56] Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an: Everhardus der Spizebart, Jacobus langenase, Hartwig Churzhals — desgl. Reichel aus Marburger Urkunden: Jacob de Chrafuez (Krähenfuß), Heinrich Krumnas. — Becker aus Köln 13. Jahrh.: Buntebart, Gobelin dictus Hardevust; Hans Schweinerüssel (16. Jahrh.).

[57] In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetzt Kiekindemark, desgl. ein Hof in Mecklenburg.

[58] Wendehals, Streckfuß und ähnliche Bezeichnungen bedeuteten ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“). Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ, und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (S. Andresen, Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).

[59] Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht hierher gehörig zu streichen, wie Baldauf, Gangauf, die richtiger als Ableitungen altdeutscher Personennamen (Baldolf, Gangolf) gefaßt werden; Richzenhain, Rollenhagen, Stemshorn, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der Ortsnamen nicht immer genügend.

[60] Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers in der Kirche zu Dobberan: