3. Der Menschensohn und der futurische Charakter der Messianität Jesu.
Der Ausdruck »Davidssohn« enthält also ein Rätsel. Darum gebraucht ihn Jesus nie, wenn er von seiner Messianität spricht, sondern immer redet er von sich als dem »Menschensohn«. Diese Bezeichnung war also besonders geeignet, um sein Messianitätsbewusstsein wiederzugeben.
Er hat es auf diesen Ausdruck abgesehen. Jede messianische Bezeichnung, die ihn betreffend gefallen ist, korrigiert und erläutert er durch »Menschensohn«.
Nachdem es in der Scene auf dem Berg den Jüngern aufgegangen ist, dass er »Gottessohn« sei, redet er beim Abstieg zu ihnen von sich als dem »Menschensohn« (Mk 9 7-9).
Petrus proklamiert ihn vor den andern als »den Gesalbten« (Mk 8 29). Gleich fährt Jesus fort, sie über das Schicksal »des Menschensohns« (Mk 8 31) zu belehren.
Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? frägt ihn der Hohepriester (Mk 14 61). Ihr werdet sehen den »Menschensohn« sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels, antwortet Jesus. Das will heissen: Ja. In der zweiten und dritten Leidensweissagung (Mk 9 30-32 und Mk 10 32-34) ebenso wie in dem Wort vom Dienen (Mk 10 45) kehrt überall derselbe Ausdruck wieder.
Die Messianitätsbezeichnung »Menschensohn« ist futurischen Charakters. Sie bezieht sich auf den Augenblick, wo der Messias auf den Wolken des Himmels zum Gericht erscheinen wird. In diesem Sinne hatte Jesus zum Volk und zu den Jüngern vom Kommen des Menschensohnes von jeher geredet. Bei der Aussendung weist er die Seinen auf die unmittelbare Nähe des Tages des Menschensohnes hin (Mt 10 23). Dem Volk redet er von dem Kommen des Menschensohnes, um es zu vermahnen, bei ihm, Jesus, auszuhalten (Mk 8 38).
Dabei sind er und der Menschensohn für die Jünger und das Volk zwei ganz verschiedene Persönlichkeiten. Der eine ist eine irdische, der andere eine überirdische Gestalt; der eine gehört dem jetzigen, der andere dem messianischen Zeitalter an. Zwischen beiden besteht Solidarität, indem der Menschensohn für die eintreten wird, welche zu Jesus, dem Verkündiger seines Kommens, gestanden sind.
Von diesen Stellen muss man ausgehen, um die Bedeutung des Ausdrucks in Jesu Munde zu verstehen. Wer um sein Geheimnis nicht weiss, für den sind Jesus und der Menschensohn verschiedene Personen. Wem er aber sein Geheimnis offenbart hat, für den besteht ein persönlicher Zusammenhang zwischen beiden. Jesus ist der, welcher am messianischen Tag als Menschensohn erscheinen wird. Die Offenbarung zu Cäsarea Philippi besteht darin, dass Jesus seinen Jüngern offenbart, in welchem persönlichen Verhältnis er zum erscheinenden Menschensohn steht. Als der, welcher Menschensohn sein wird, kann er Petri Bekenntnis, dass er Messias sei, bestätigen. Seine Antwort auf die Frage des Hohenpriesters ist in demselben Sinn bejahend. Er ist Messias: das werden sie sehen, wenn er als Menschensohn auf den Wolken des Himmels erscheint.