Die Orgel zu Notre-Dame ist ähnlich disponiert, nur daß sie 14 klingende Stimmen weniger hat.
Der Fortschritt der Orgeln zu St. Sulpice und Notre-Dame verglichen mit der zu Ste Clothilde besteht also in der Verwendung der Mixturen, die auf den früheren Orgeln Cavaillés nicht so reich vertreten waren. Man lasse die glänzenden Zungenstimmen beiseite: dann sind St. Sulpice und Notre-Dame die idealsten Bach-Orgeln, die man sich denken kann.
Mutin, Cavaillés Nachfolger, zieht nur die Konsequenzen der Evolution seines großen Lehrers, indem er nun auch dem Pedal entsprechend viele Mixturen zugesteht, wozu Cavaillé sich noch nicht hatte entschließen können.
Fußnoten:
[1] Diesen Typus verwirklicht die eben vollendete Orgel zu St. Nicolaï in Straßburg, ein Werk der beiden jungen elsässischen Orgelbauer Dalstein und Härpfer zu Bolchen in Lothringen.
Alle Koppeln und Kombinationszüge sind doppelt, als Pedaltritte und als Druckknöpfe angelegt, wobei der Knopf und der Tritt untereinander durch eine von Herrn Dalstein erfundene einfache Mechanik verbunden sind, welche den Preis jeder Koppel oder Kombination um etwa zwanzig Mark erhöht. Die doppelte Verwendbarkeit der freien Kombination, die die Handregistrierung nach Belieben aufhebt oder ergänzt, macht alle anderen Ressourcen tatsächlich überflüssig, wovon sich auch diejenigen Organisten überzeugten, welche anfangs die „Neuerung“, die auf die Abschaffung des „Piano“, „Mezzoforte“, „Forte“, „Tutti“ ging, beargwöhnten. Der Vorteil der Möglichkeit, das erste Klavier von den andern abzukoppeln und es als Koppelklavier zu benutzen, leuchtete nach der ersten praktischen Demonstration ein. Die ganze Spieltischeinrichtung stellt sich um etwa 200 Mark teurer als die gewöhnliche.
Für eine zweiklavierige Orgel von zwanzig Stimmen, bei der also zwei doppelt angelegte Pedalkoppeln, zwei doppelt angelegte Manualkoppeln, und drei doppelt verwendbare freie Kombinationen (Kl. I, II und Ped.) in Betracht kämen, dürfte die Differenz etwa hundert Mark betragen!
[2] Von den in der „Übergangszeit“ von Häusern zweiten Ranges gebauten Pneumatiken wage ich nicht zu reden. Welche Summen wären nötig, um jene Instrumente, die als Opfer der ersten Versuche allsonntäglich zum Himmel schreien, zu erlösen und ihnen einen „neuen gewissen Geist zu geben“!
Und wie viele unserer mittleren Orgelbauer, die einst einfache und schönklingende, zuweilen geradezu künstlerisch intonierte Werke bauten, sind zugrunde gegangen, weil sie in den Erfindungen mitmachen mußten!