Ackerbau und Viehzucht.
Nach Klima und Höhenlage ist die Pflanzenwelt Thüringens eine wechselnde, aber überall wohlgepflegte. In den geschützten Thälern der Saale und Unstrut gedeiht der Wein, dessen Anbau schon seit dem XIV. Jahrhundert bekannt ist. Früher wurde er im Grabfeldgau gebaut, Rebenhügel grünten bei Kronach und Coburg, bei Erfurt, Arnstadt, Gotha und Eisenach, selbst in der Hainleite, am Kyffhäuser und am Frauenberge bei Sondershausen. Der Weinbau reicht nur bis zu einer Höhe von 350 m. In den unteren Gefilden Thüringens wiegt der Acker- und Gartenbau vor, dessen Bodenfläche im Kreise Erfurt, wo die weltberühmten Blumen- und Gemüseanlagen liegen, 81 vom Hundert der Gesamtanbaufläche beträgt, in Sachsen-Weimar 55 vom Hundert, im Gebirge aber noch weiter zurückgeht, so daß in Ziegenrück nur noch 46, in Schleusingen 24 vom Hundert der Gesamtfläche dem Acker- und Gartenbau dient. Die Thalgründe sind meist mit ausgedehnten Wiesen bedeckt, im Gebirge sind sie nur als Waldwiesen oder Hochwiesen vorhanden. Von der Gesamtfläche sind im reußischen Lande 17, in Ziegenrück 12 vom Hundert der Gesamtfläche Wiesen. Hiermit hängt eine kräftige Viehzucht zusammen, besonders im östlichen Thüringen, wo im Altenburger Ostkreise, im weimarischen Kreise Neustadt und in Reuß jüngerer Linie auf 1000 Bewohner 500–600 Stück Rindvieh kommen, während auf dem höchsten Teil des Gebirges dieses Verhältnis nur 100–300 Stück Rinder aufweist. Die in alten Zeiten blühende Pferdezucht ist erheblich zurückgegangen, da fast nur für landwirtschaftliche Zwecke gezüchtet wird. Am erheblichsten ist sie im oberen Unstrutthal, im Westen des weimarischen Kreises und in der Oberherrschaft von Schwarzburg-Sondershausen, wo auf 1000 Bewohner 75–100 Pferde kommen; am geringsten ist das Verhältnis in der Sondershäuser Unterherrschaft und auf der Höhe des Frankenwalds und des Thüringerwalds einschließlich der preußischen Kreise Suhl und Schmalkalden, wo auf 1000 Bewohner nur 6–25 Pferde kommen. Bedeutend ist die Zucht der Schweine, von denen auf je 1000 Bewohner 400–600 berechnet sind, aber wiederum mit Ausnahme des höchsten Gebirges, wo die Zahl auf 200–100 heruntergeht.
Abb. 77. Thüringische Tracht.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Abb. 78. Thüringische Tracht.
(Nach Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)
Ackerbau.
Von Kulturpflanzen der Stufe unter 350 m sei noch der Tabak erwähnt, der im Werrathal gebaut wird, dessen Jahresproduktion sich aber nur auf 106000 Mark beläuft. Außer Getreide gedeihen noch Hülsenfrüchte, Ölpflanzen, Flachs, Hopfen, Anis, Koriander, Klee und Kartoffeln. Obstreich sind die Thäler der Saale und Unstrut, Gemüse gedeiht in vorzüglichster Art bei Erfurt und Naumburg. Durch große Fruchtbarkeit ausgezeichnet sind die Keuperlandschaften in Coburg, Meiningen und im Thüringischen Becken, und die Landschaften des aus der Eiszeit stammenden Geschiebelehms im Altenburger Ostkreise. Der Muschelkalk zeigt meist trockenen steinigen Boden; wo er thonige Bestandteile hat, ist er für den Feldbau günstig. Das vorwiegend aus Muschelkalk bestehende Eichsfeld gehört zu den ärmlichsten Bezirken. Der Buntsandstein bildet, wie schon oben erwähnt worden, besonders auf der südlichen Saalplatte das Holzland, und ist für Ackerbau weniger geeignet, am besten noch für Kartoffeln. Fruchtbar sind aber die auf Buntsandstein lagernden Anschwemmungen in den Thälern der Wipper, Helme und Unstrut, der vielgepriesenen »Goldenen Aue«. Auch die auf Muschelkalkuntergrund vorhandene Lößbedeckung der Querfurter Platte gehört zu den fruchtbaren Landschaften.
Abb. 79. Thüringische Tracht.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)