Abb. 144. Schloß Callenberg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Neuses. Callenberg. Sonnefeld.
Unweit Coburg am Sulzbache liegt das Dörfchen Neuses, wo Friedrich Rückert seinen Liebesfrühling lebte und sang und wo vor seinem Wohnhause ([Abb. 142]) im schattigen Garten dem Andenken des vaterlandsliebenden Sängers eine Marmorbüste ([Abb. 143]) errichtet wurde. In schönem, wildreichem Waldpark erhebt sich das herzogliche Schloß Callenberg ([Abb. 144]), in gotischem Stile mit Zinnen, Türmen und Erkern, eine hübsche Nachahmung einer mittelalterlichen Burg und mit fürstlicher Pracht ausgestattet. Östlich von Coburg, im oberen Thale des Bieberbachs liegt der Marktflecken Sonnefeld (1300 Einw.), im Mittelpunkte des großen Gebiets, wo Korbflechterei als Hausindustrie betrieben wird. Im XIII. Jahrhundert wurde Sonnefeld als Cistercienserkloster gegründet, das aber nur drei Jahrhunderte bestand; nur die Kirche erinnert heute noch an verschwundene Herrlichkeit. Weit im bayerischen Franken liegen einige coburgische Gebietsteile verstreut, das umfangreichste ist das an den Südhängen der Haßberge ausgebreitete Gebiet mit dem Städtchen Königsberg (900 Einw.), in fruchtbarem Gelände, wo Wein- und Obstbau getrieben wird.
Banz. Vierzehnheiligen.
Unsere Reise in Thüringen ist hier vollendet, aber der Wanderer wird vom südöstlichsten Teile Thüringens nicht Abschied nehmen, ohne noch einige Kilometer weiter ins Mainthal zu pilgern. Hier erhebt sich am rechten Mainufer Kloster Banz, ein ehemaliges Dominikanerkloster, jetzt eins der schönsten fränkischen Schlösser mit wertvoller naturwissenschaftlicher Sammlung. Jenseits des weiten grünen Mainthales oberhalb des bayerischen Städtchens Staffelstein steigen wir hinauf zum Staffelberg (539 m), wie der das Schloß Banz tragende Höhenzug schon der Juraformation angehörig, durch steil abfallende Thalränder und auf den Höhen durch wellige Tafellandschaften ausgezeichnet. Hier lassen wir nochmals den Blick hinüberschweifen über die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen bis zu den walddunklen Bergen Thüringens, südwärts in die sonnigen Gefilde Bayerns. Treffend hat Scheffel diesen Platz in seinem Wanderlied besungen:
Wohlauf, die Luft geht frisch und rein,
Wer lange sitzt, muß rosten;
Den allersonnigsten Sonnenschein
Läßt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
Der fahrenden Scholaren,
Ich will zu guter Sommerszeit
Ins Land der Franken fahren!
. . . . . . . . . . . .
Zum heiligen Veit von Staffelstein
Komm ich emporgestiegen
und seh' die Lande um den Main
Zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
Umrahmen Berg und Hügel
Die breite, stromdurchglänzte Au —
Ich wollt', mir wüchsen Flügel.
. . . . . . . . . . . .