Abb. 142. Rückerts Haus in Neuses.
Veilsdorf. Rosenau. Neustadt. Coburg.
An der Mündung des Weidbachs in die Werra ist der Flecken Veilsdorf (900 Einw.) erbaut. Das benachbarte Kloster Veilsdorf ist jetzt Porzellanfabrik, das Kloster wurde im Bauernkriege zerstört. Von hier zieht der Muschelkalkrücken der Langen Berge nach Südosten, bei Tiefenlauter von der Lauter in engem Thale durchbrochen. Nach dem Austritt der Itz aus den Muschelkalkbergen reihen sich eine ganze Anzahl Wohnstätten im grünen flachen Thale aneinander. Hier erhebt sich inmitten herrlicher Gartenanlagen das herzogliche Lustschloß Rosenau ([Abb. 137]), auf niederem Hügel in gotischem Stile erbaut. Nördlich von Rosenau an den Lehnen des Herrnbergs liegen die von Pflanzen überwucherten Trümmer der Lauterburg. Zu Füßen des bewaldeten Buntsandsteinkegels des Mupperg liegt an der Röden die coburgische Stadt Neustadt an der Heide (5450 Einw.), die Spielwaren herstellt und dafür eine Modellierschule besitzt. Unterhalb der Mündungen von Lauter und Sulz breitet sich im grünen Itzthal Coburg (18700 Einw.) aus, die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Coburg ([Abb. 138] und [139]). Die innere Stadt ist alt, aber freundlichen Charakters, von fränkischer lebensfroher Bevölkerung bewohnt. Die neueren Stadtteile dehnen sich weit aus mit ihren in Gärten liegenden Häusern. Die Stadt wurde erst Anfang des XIII. Jahrhunderts zuerst erwähnt und ist heute Sitz zahlreicher Behörden und Unterrichtsanstalten. An Stelle eines Barfüßerklosters wurde im XVI. Jahrhundert das Residenzschloß Ehrenburg erbaut, die Neubauten wurden seit 1816 in englischer Gotik errichtet.
Abb. 143. Rückertdenkmal in Neuses.
Korbwarenindustrie.
Coburg ist seit etwa 40 Jahren zum Hauptorte des Korbwarenhandels geworden, mit weit zerstreuter Arbeiterschaft, der Zahl nach am stärksten in Sonnefeld, Weidhausen und Gestungshausen. In Sonnefeld sind mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Korbflechterei thätig. Die Korbflechterei ist erst am Anfang des XIX. Jahrhunderts begonnen worden, hier wie im benachbarten Oberfranken, wo zuerst die Weiden des Mainthals unentgeltlich das Material lieferten. Wie so häufig waren wenig fruchtbare Ländereien, sowie die zersplitterten Besitzverhältnisse von Grund und Boden der Anlaß zum Anfang von Hausindustrien, so hier der Korbflechterei. Der Ausbreitung des Korbflechtergewerbes entsprach die Ausdehnung des Absatzgebietes, zu welchem Zwecke die Korbwaren-Großhändler schon in den zwanziger Jahren des genannten Jahrhunderts bis Amerika vordrangen. Die einheimische Weide reichte für den Bedarf nicht aus, und da aus mancherlei Gründen Weidenkulturen nicht gepflegt wurden, so machte sich die Einfuhr fremder Weiden nötig, besonders aus Preußen, Österreich und Frankreich. In Oberfranken ist die Korbflechterei durchweg Hausindustrie, meist in Dörfern der Bezirke Lichtenfels und Kronach; der Vertriebsort der Ware ist Lichtenfels. Alle Hände der Familie sind auch in dieser Hausindustrie beschäftigt, und je nach Kraft und Geschicklichkeit ist die Arbeitsteilung durchgeführt. Die Korbwaren sind in einer außerordentlich großen Artenzahl vorhanden, von dem kleinsten Gegenstande von Eigröße bis zum Korb von der Größe eines Kubikmeters. Dazu kommen noch Taschen, Spielzeug, Blumentische, Gartenmöbel und viele andere Luxus- und Gebrauchsgegenstände.
Feste Coburg.
Beherrschend über der Stadt Coburg ragt wie ein Wachtposten im lieblichen Itzthal inmitten eines Kranzes landschaftlicher Schönheit die mächtige Feste Coburg empor ([Abb. 140]). Sie liegt auf dem westlichen Vorsprung des 457 m hohen Bausenbergs und ist mit ihren zackigen Türmen und Giebeln, Erkern und Söllern ein treffliches Bild einer mittelalterlichen Burganlage und eine Stätte wechselnder Geschichte. Im Jahre 1530 fand hier Luther Schutz und ein gastliches Heim, und von hier aus soll zum erstenmale das Lied: »Ein' feste Burg ist unser Gott« hinaus in die deutschen Lande geklungen sein. Ein trauliches Gemach ist als Luther- oder Reformatorenzimmer ([Abb. 141]) geschmackvoll ausgestattet, mit den Bildnissen Luthers, seiner Gattin Katharina und einer Anzahl Reformatoren. Die Leiden des dreißigjährigen Krieges gingen auch hier nicht spurlos vorüber, da 1632 die Stadt von Wallenstein eingenommen wurde, die alte Feste sich brav verteidigte, aber 1634 sich trotzdem ergeben mußte. Erst in der Mitte des XIX. Jahrhunderts wurde die Wiederherstellung der Burg vollendet, die nun in neuer Schönheit erglänzt. Das am meisten malerische Gebäude ist der mit Bogengängen verzierte Fürstenbau, wie andere Räume der Burg mit Waffen und Kunstschätzen gefüllt, darunter eine Kupferstich- und Holzschnittsammlung von 200000 Blättern. Die Feste Coburg, auch »fränkische Krone« genannt, gewährt von ihren Wällen aus ein prachtvolles Rundbild, von der Rhön über den dunklen Thüringerwald und Frankenwald bis zum Fichtelgebirge, südwärts auf die sonnigen Berge des fränkischen Jura.