Noch ehe aber diese Schätze alle in den Besitz der Kunstsammlung gelangt waren, fiel ihr ein zweites, nicht minder bedeutendes Vermächtniss zu, nämlich was die beiden Künstler und Kunsthändler Peter Birmann, der Vater, und sein Sohn Samuel Birmann-Vischer (gest. 1846) an Gemälden, namentlich der niederländischen, französischen und italienischen Schule, sowie an Kupferstichen (über 20,000) zusammengebracht hatten, dazu noch neben einer reichhaltigen Kunstbibliothek die schon oben (Seite 40) erwähnte Kapitalstiftung für den Ankauf von Werken schweizerischer Künstler bestimmt.

Mehr noch durch den hohen Kunstwerth als durch die Zahl bedeutend war die Schenkung, welche in den Jahren 1850 und 1851 die Sammlung dem Gemeinsinn des Herrn Peter Vischer-Passavant und seiner Erben zu verdanken hatte; befanden sich doch darunter zwei Originalzeichnungen Dürers, welche nun eine Hauptzierde unserer Handzeichnungssammlung bilden. Das Jahr 1859 brachte ferner das Vermächtniss von Fr. 10,000 von Seiten der Ehegatten Bleiler-Mieg, dessen Ertrag theils zur Erwerbung von Kunstgegenständen, theils zur Förderung angehender Künstler sollte verwendet werden. Eine gleiche Summe stifteten im Jahr 1862 die Erben des Herrn Bürgermeister Felix Sarasin zur Anschaffung von Werken kunstwissenschaftlichen Inhalts und Fr. 5000 Herr Notar Gedeon Meyer zum Ankauf von Gemälden. Endlich erfolgte im Jahre 1880 das Legat des Herrn W. Burckhardt-Forcart, durch welches dem Museumsverein eine Reihe auserlesener Werke der bisher nur schwach vertretenen holländischen Schule, sowie einige treffliche Bilder spanischer, deutscher und vlämischer Meister zufielen.

Dass mit diesen und den übrigen hier nicht namentlich aufgeführten Schenkungen die Ansprüche an die unserer Kunstsammlung zu Gebote stehenden Räumlichkeiten stets höhere werden mussten, liegt auf der Hand. Bereits heute, nachdem seit Eröffnung des Museums 36 Jahre verflossen sind, ist bis auf das Treppenhaus hinaus jeder verfügbare Platz ausgenützt. Mit um so grösserer Befriedigung darf dem Augenblick entgegengesehen werden, da nach Erstellung einer besondern Skulpturhalle der geräumige zweite Oberlichtsaal, der heute noch die antiken Gipsabgüsse beherbergt, für die Kunstsammlung sich öffnen wird. Wenn während nahezu zweihundert Jahren unsere Sammlung in der alten Mücke sich konnte genügen lassen, heute aber bereits die Räume, die im neuen Museum ihr zugedacht waren, zu enge geworden sind, so mag diese Thatsache schon es bezeugen, wie fruchtbar die letzten fünfzig Jahre für ihre Entwicklung und gewiss nicht minder für die Förderung des Kunstsinnes in den weitesten Kreisen unserer Stadt gewesen sind. Möge denn die Sammlung mit unserer alma mater als deren »sonderbares Kleinod« auch in Zukunft weiter wachsen und gedeihen!

Emanuel LaRoche,
Konservator der Kunstsammlung.


3. Antiquarische Sammlung.

Bis zum Jahre 1835 und von da noch weitere vierzehn Jahre war die antiquarische Sammlung zusammen mit der Kunstsammlung, und ohne eigentlich von ihr getrennt zu sein, im Hause zur Mücke aufgestellt, und bildete, was die Verwaltung betrifft, einen blossen Annex der öffentlichen Bibliothek. Sie enthielt ihrem wesentlichen Bestande nach die Antiquitäten des Amerbachischen Kabinets, aus dem sie erwachsen war (1661), die Bruckner'sche Sammlung von vaterländischen Alterthümern (1778) und die einschlägigen Sachen des Fäschischen Kabinets (1823); ausserdem die im Jahre 1815 angekaufte Falkeysen'sche Sammlung von Basler Münzen.

In dem Zeitraum von 1835 bis zur Erbauung des Museums (1849) fanden keinerlei Veränderungen statt. Doch erfolgte noch in den vierziger Jahren von Seite der Erben des Herrn Lucas Vischer die grossartige Schenkung der von diesem in Mexico gesammelten Alterthümer, welche dann freilich erst ein paar Jahre später aufgestellt werden konnten. In dem 1849 bezogenen Neubau des Museums wurden der antiquarischen Sammlung die beiden an die Gemäldegallerie anstossenden Zimmer angewiesen, das zur Linken der schon bisher bestehenden Sammlung auf der Mücke, welcher jetzt auch der Kirchenschatz des Münsters (vorher im Rathhaus), sowie die Erwerbungen der antiquarischen Gesellschaft hinzugefügt wurden; das zur Rechten dem mexicanischen Kabinet. Die Gegenstände des letzteren wurden in gefälliger, aber nicht gerade zweckmässiger Weise auf eine in der Mitte des Zimmers errichtete treppenfönnige Pyramide (gleichsam ein mexicanisches Teocalli) geordnet.

Mit der Aufstellung im neuen Local war zugleich die Anlegung einer Sammlung von Gipsabgüssen verbunden, worauf schon beim Entwurf des Baues (Antikensaal mit Oberlicht) Rücksicht genommen war. Die zur Anschaffung der Abgüsse nöthigen Gelder stellte der neugegründete Museumsverein unter Vorbehalt des Eigenthumsrechtes zur Verfügung, so dass bald nach der Uebertragung der Sammlungen ins Museum auch der Antikensaal mit über 30 Hauptwerken (14 Statuen, 9 Köpfen und 8 Reliefs) dekoriert war.

Jetzt erst, nachdem für eine angemessene Aufstellung gesorgt war, konnte das Interesse des Publikums für die Sammlung geweckt und an eine nutzbringende Verwaltung derselben gedacht werden. Diese Verwaltung war in die Hände des Herrn Prof. W. Vischer, Vater, gelegt, der von da an bis zu seinem Tode 25 Jahre lang (1849-74) mit seltener Umsicht und Hingebung der Kommission für die antiquarische Abtheilung des Museums vorstand. Aus der unten folgenden Uebersicht über die hauptsächlichsten Erwerbungen und Schenkungen lässt sich am besten erkennen, was für eine gedeihliche Entwicklung die Sammlung unter seiner Leitung nahm. Doch muss zur richtigen Beurtheilung noch zweierlei vorausgeschickt werden.