5. Naturhistorisches Museum.

Ueber die Hauptzüge der Geschichte dieser Anstalt sind von dem Unterzeichneten in den letzten Jahren mehrere Darstellungen veröffentlicht worden: für die ältere Periode bis zur Entstehung des im Jahre 1822 im Falkensteiner Hof eingerichteten und der akademischen Regenz unterstellten Museums — und weiter bis zur Erbauung des »neuen Museums« im Jahre 1847 in einem besondern Abschnitt der Gedenkschrift an Peter Merian;[30] und über die zwei Jahre seit dessen Hinschied zwei Berichte, von welchen derjenige für 1883 von der Akademischen Gesellschaft, beide, für 1883 und 1884, von der Naturforschenden Gesellschaft publiciert worden sind.[31]

Für den gegenwärtigen Anlass wird es also wohl passend sein, hauptsächlich die Periode von 1847 bis 1883 ins Auge zu fassen. Doch ist dabei zu erinnern, dass auch diese Periode ihren Anfang nimmt von 1835 an, von dem Moment, wo nach der durch eidgenössisches Schiedsgericht vollzogenen Theilung des Staatsvermögens zwischen Baselstadt und Baselland an erstere die Frage herantrat, in wiefern sie es vermöge, nach so schwerer Schädigung von Neuem für den Weiterbau ihrer wissenschaftlichen Anstalten einzustehen.

Die erste Antwort bestand, wie bekannt, für das naturwissenschaftliche Museum in einer von dessen Kommission (Peter Merian, Präsident, Prof. Chr. Bernoulli, Prof. K.Fr. Meissner, Dr. Schönbein, Dr. L. Imhoff, Dr. J.J. Bernoulli, Dr. F. Ryhiner) an die Gemeinnützige Gesellschaft und weiter an das Publikum gerichteten Bitte um fernere Unterstützung, »da in den jetzigen Zeitverhältnissen die Hilfsmittel zu einem nur in einigem Maasse anderen Städten, wo wissenschaftlicher Sinn herrsche, ebenbürtigen Ausdehnung der naturwissenschaftlichen Sammlungen nur im Gemeinsinn der Mitbürger zu finden seien, und Baselstadt in der nunmehrigen isolierten Lage nur durch solche Gesinnung eine ehrenvolle Stellung zu behaupten und das zu ersetzen vermöge, was ihm an Kopfzahl abgehe.«

Der Erfolg war ein Beitrag von circa 5000 Fr. an Geschenken aus dem Publikum. Verbessert wurden diese Verhältnisse durch das Gesetz vom 6. April 1836 über Verwendung des Universitätsgutes, wonach von nun an dem Museum aus letzterem ein jährlicher Beitrag von Fr. 800 zugewiesen wurde. Die Kommission zum Museum wurde bei diesem Anlass von der Regenz neu bestellt aus den Herren P. Merian, Präsident, Proff. Meissner, Schönbein und J.J. Mieg, Dr. L. Imhoff und Dr. J.J. Bernoulli. Dazu kamen wiederholt ausserordentliche Beiträge von Seiten der Gemeinnützigen Gesellschaft, welche sich schon seit längerer Zeit mit einem regelmässigen Beitrag von Fr. 200 betheiligt hatte, sowie von Privaten; namentlich flossen solche Hilfsquellen ergiebig bei Anlass der Versammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Basel im Jahre 1838.

Auch die Geschenke an Naturalien, über deren ältern Bestand und Quellen auf den schon genannten Bericht (Note 1) verwiesen werden kann,[32] nahmen wieder in erfreulicher Weise zu. An grösseren derartigen Vergabungen sind zu nennen die von den Professoren Peter und Rud. Merian zu Gunsten des Museums angekaufte Sammlung von Versteinerungen aus England von Professor Meissner; ferner eine ansehnliche Sammlung von Vögeln und Säugethieren von Herrn Dettwyler von Langenbruck, niedergelassen in Pennsylvania, eine ähnliche Sammlung von Dr.Fr. Ryhiner in Illinois, dann eine Sammlung von Land- und Süsswasser-Conchylien aus der Umgebung von Basel von Dr. J.J. Bernoulli, und in den vierziger Jahren eine Reihenfolge von höchst werthvollen Geschenken von Missionar Riis von der afrikanischen Goldküste und später von den Antillen; von Herrn Carl Respinger und Stadtrath Bischoff-Respinger Thiere aus Mexico und Havannah, ähnliche Sendungen aus Mexico von Herrn Bened. Wölfflin, schweizerischem Konsul daselbst, javanische Vögel von Dr.C. Streckeisen u.s.f. Für die Thierwelt der Goldküste besass Basel lange Zeit eine der bestversehenen Sammlungen. 1844 kaufte die Akademische Gesellschaft für das Museum von Prof. Klipstein in Giessen eine ansehnliche Sammlung von Gipsabgüssen fossiler Säugethiere aus Rheinhessen (darunter den colossalen Schädel des Dinotherium).

Durch diese günstigen Verhältnisse hob sich der Zustand der meisten Abtheilungen in ansehnlicher Art. Des regelmässigsten und reichsten Ausbaues erfreute sich stets durch die Fürsorge ihres besonderen Vorstehers, P. Merian, woran sich auch während langer Zeit Dr. Christ. Burckhardt betheiligte, die Abtheilung der Conchylien und Petrefakten, unter welchen namentlich die Echinodermen schon frühe eine hohe Stelle einnahmen. In gleich günstiger Lage befand sich die unter derselben Fürsorge stehende Mineraliensammlung, welcher von auswärts ansehnliche Geschenke, hauptsächlich von Hrn. C. Vischer-Passavant in Mexico, zuflossen. Auch die Insektensammlungen, sowie diejenige der Corallen standen in raschem Fortschritt und ebenfalls vorwiegend durch Geschenke, unter welchen die reiche Privatsammlung von Dr. L. Imhoff, die lange Zeit den Grundstock dieser Abtheilung bildete, und die wiederholten Geschenke von Hrn. Andr. Bischoff-Ehinger in erster Linie zu nennen sind. Die eigenen Hilfsmittel des Museums wurden dafür hauptsächlich auf Vervollständigung der früher unbedeutenderen Abtheilungen der Säugethiere und Vögel verwendet, deren Betrag hiedurch, wie durch die erwähnten Geschenke von auswärts, sich rasch hob. Am weitesten zurück blieben immer noch, obschon sie mindestens für Westafrika sehr Werthvolles enthielten, die Abtheilungen der Reptilien und Fische, sowie, mit Ausnahme der trocken aufzubewahrenden, diejenigen der niedern Thiere. Eine von Prof. Alex. Ecker in Triest angelegte Sammlung von Meeresthieren der Art wurde im Jahre 1847 von der Naturforschenden Gesellschaft angekauft.

Durch all das war allmählig das im Jahre 1822 bezogene Lokal im Falkensteiner Hof zu eng geworden. Im December 1841 entschloss sich daher eine zu diesem Zweck gebildete Kommission, bestehend aus Mitgliedern des Kunstvereins, der Naturforschenden Gesellschaft und der Bibliothekskommission, zum Aufruf an die Bürgerschaft, für die Erbauung des gegenwärtigen Museums, wozu der Grosse Rath durch Beschluss vom 21. März 1843 seine Betheiligung zusagte. An der Herstellung hat der Staat Fr. 184,000, die Stadt 16,000, der Universitätsfond 15,000, die Bürgerschaft nahezu 70,000 Fr. beigetragen. Schon im Spätjahr 1847 wurde das Gebäude bezogen und am 26. November 1849 eröfnet.[33] Das Jahr 1850 fügte dazu die Stiftung des Museumsvereins, der sich ausschliesslich die Sorge für die verschiedenen Sammlungen der neuen Anstalt zum Zweck setzte, und dessen kräftiger Beihilfe sich auch die naturhistorische Abtheilung besonders häufig zu erfreuen hatte.

Wenn wir uns für die fernere Entwicklung unserer Anstalt seit diesem Wendepunkt an eine Eintheilung halten, die sich von selbst aufdrängt, so wurden die regelmässigen Hilfsquellen, die also von 1849 an aus Fr. 800 aus dem Universitätsgut und Fr. 200 von der Gemeinnützigen Gesellschaft bestanden hatten, schon von 1850 an von dem Museumsverein um einen erst wechselnden, von 1857 an um einen auf Fr. 850 festgestellten Jahresbeitrag vermehrt, wozu aber sehr häufig ausserordentliche Beiträge kamen. Vom Jahr 1852 an wurde der Beitrag aus dem Universitätsgut auf Fr. 1200, derjenige der Gemeinnützigen Gesellschaft auf Fr. 300 gestellt. Von 1857 an kam zu dem ordentlichen Beitrag aus dem Universitätsgut noch ein ausserordentlicher aus dem Kredit für die akademischen Sammlungen, der im Durchschnitt dem ordentlichen an Höhe gleich stand, und vom gleichen Jahre an setzte der Museumsverein seinen jährlichen Zuschuss auf 850 Fr. Vom Jahre 1862 an flossen ferner zum ersten Mal ansehnliche Zuschüsse aus den durch Grossrathsbeschluss dem Museum zugewiesenen Zinsen von auswärtigen Anlagen der Universität, als »Spezialfonds für das naturhistorische Museum.«