Leider gestatten es die in meiner Wohnung disponiblen Räumlichkeiten nicht, eine grössere Zahl, als vier bis fünf Studierende aufzunehmen, besonders im Winter, wo meist nur bei Gasbeleuchtung untersucht werden kann.
Wir hoffen, dass die Zeit nicht so ferne sei, wo durch Zuweisung eines geeigneten Lokals für den klinischen Unterricht und durch Anstellung eines Assistenten es dem Vorsteher möglich gemacht werde, die Beschränkung in der Zahl der aufzunehmenden Studierenden aufzuheben und die Benutzung der Ohrenklinik allen Interessenten zugänglich zu machen.
Albert Burckhardt-Merian.
20. Kinderklinik.
Eine regelmässige Klinik der Kinderkrankheiten besteht im Kinderspital seit der Mitte der Sechziger Jahre und wurde bis zum Jahre 1868 von Herrn Professor Streckeisen sel. abgehalten.
Bei der Neubesetzung der Stelle eines Oberarztes des Kinderspitals, welcher aus einem Doppelvorschlag der medicinischen Fakultät von dem Comité des Kinderspitals gewählt wurde, ist derselbe verpflichtet worden, regelmässig Klinik zu halten, an der Universität zu lesen und eine Poliklinik zu leiten. Seit dem Jahre 1808 hält der Unterzeichnete regelmässig Klinik jeden Donnerstag von 10-12 Uhr und benützt hiezu zum Theil das klinische Krankenmaterial, d.h. die im Kinderspital verpflegten Kranken, zum Theil die Poliklinik, d.h. die aus der Stadt zur Konsultation kommenden kranken Kinder. Im Kinderspital werden jährlich circa 400 Kranke verpflegt; der tägliche Bestand schwankt zwischen 35 und 45.
Die Klinik wird von den älteren Studierenden regelmässig besucht; ihre Zahl beläuft sich im Durchschnitt in den letzten zehn Jahren auf etwa 15-20 und mehr. Es wird dabei dem Studierenden reichlich Gelegenheit geboten, sich mit den Krankheiten des kindlichen Alters, sowohl den medicinischen als den chirurgischen vertraut zu machen. Es steht dem leitenden Arzte zur Pflege der kranken Kinder an ärztlichem Personal zur Seite ein Secundararzt und ein Assistent; in die Krankenpflege theilen sich neun Schwestern aus der Diaconissenanstalt in Riehen. Dem ökonomischen Theil der Anstalt steht ein Verwalter vor. Das Kinderspital steht unter einem Comité, das sich selbst ergänzt; die Anstalt ist eine wohlthätige Stiftung, die eigenes Vermögen hat, zum Unterhalt aber ausserdem auf Legate angewiesen ist. Von der Universität erhält das Spital keinerlei finanzielle Unterstützung.
E. Hagenbach-Burckhardt.