Der Hodscha brachte die Leiter und legte sie auf ihn. Aber bald sagte der Gast, dem noch immer nicht recht warm werden wollte: »Denk ein wenig nach; vielleicht hast du doch noch etwas, was du mir geben könntest.«

Nach einem Augenblicke schrie der Hodscha: »Du hast recht; ich habe noch einen Trog: was sagst du dazu?«

»Bring ihn immerhin.«

Nasreddin holte den Trog, der noch ganz voll Wasser war, und setzte ihn auf die Leiter. Als sich aber der Gast, den das Gewicht der zwei Dinge drückte, umdrehn wollte, kippte der Trog um und goß seinen Inhalt aus. Der also überschwemmte rief den Hodscha von neuem an und schrie: »Nimm die Decken weg; ich bin schon ganz naß.«

201.

AUf einer Reise, die er, um etwas zu lernen, unternommen hatte, kam der Hodscha einmal in ein Land, dessen Bewohner den Brauch hatten, auf ihren Häusern für jeden Krug voll Gold, den sie besaßen, je eine Fahne aufzuziehen; man sah also Häuser mit einer, zwei, drei, vier und fünf Fahnen. Nachdem der Hodscha dort ein Jahr lang gelebt hatte, füllte er mehrere Töpfe mit Kieseln und pflanzte für jeden eine Fahne auf. Nun war es weiter in diesem Lande Sitte, daß im Bairam einer den andern einlud, und so kam die Reihe auch an den Hodscha. Nach dem Mahle ging man ins Bad; seine Gäste bemerkten die Töpfe, fanden sie aber alle voll Kiesel. Und sie sagten zu ihm: »Aber Hodscha, da sind ja nur Steine drinnen?«

»Ob es Gold ist,« antwortete der Hodscha, »oder Steine, das läuft auf dasselbe hinaus, wenn es nur dazu da ist, um in den Töpfen zu bleiben.«

202.

IN der Fastenzeit des Bairams wurde ein Kalender gefragt: »An welchen Tagen in diesem Monat ißt man und an welchen nicht?«

Scheinheilig antwortete er: »Ich weiß es nicht, an welchem Tage man fastet; denn ich esse nur einmal im Monat.«