Der Bruder sagte: »Das verspreche ich dir.«
Und der Hodscha fuhr fort: »Lade mich also an einem Abende ein. Nachdem du ein bißchen verweilt hast, so laß dich wegholen; befiehl aber deiner Frau, daß sie sich nicht eher schlafen lege als ich, was immer ich sagen würde und wie dringlich auch meine Aufforderungen seien. Wann du ihr das gesagt hast, geh weg.«
Der Bruder lud den Hodscha vereinbartermaßen ein; nach dem Rufe zum Abendgebete waren sie alle drei beisammen, als der Hausherr, wie abgemacht, geholt wurde. Er erteilte seiner Frau die besprochenen Anordnungen und ging weg. Von nun an sprach der Hodscha kein Wort mehr mit seiner Schwägerin, mit der er ganz allein war; sie wurde es bald müde, auf unbestimmte Zeit aufbleiben zu sollen, und verspürte die ersten Anzeichen der Schläfrigkeit. Drum sagte sie zum Hodscha: »Gestatte, Effendi, daß dir ein Bett bereitet wird; du wirst dich ein wenig ausruhen.«
Aber der Hodscha antwortete: »Ich will nicht schlafen.«
»Warum denn nicht?«
»Ich fürchte, daß, wann ich schlafe, die Mäuse kommen und mir den Kopf fressen.«
»Und wie weichst du dem aus, wenn du zu Hause bist?«
»Wann ich zu Hause schlafen gehe, lege ich meinen Kopf in die Hände meiner Frau und sie läßt das Licht brennen; geht sie dann später selber schlafen, so nimmt eine Sklavin ihre Stelle ein.«
Seine Schwägerin sagte: »Wir werden dasselbe tun.« Augenblicklich bereiteten die Sklavinnen ein Bett und die Frau setzte sich nieder und nahm den Kopf des Hodschas in ihre Hände; da sie dessen bald müde wurde, rief sie eine ihrer Sklavinnen und übergab ihr dieses Geschäft. Bald darauf schliefen die Herrin und die andern Frauen ein. Nun stand der Hodscha leise auf, blies das Licht aus, nahm seinen Sik heraus, gab ihn der Sklavin in die Hand, legte sich nieder und begann zu piepen wie eine Maus. Auf das Geräusch erwachte seine Schwägerin; da sah sie, daß das Licht erloschen und die Sklavin eingeschlafen war. »Nichtsnutziges Ding,« schrie sie, »wie kannst du schlafen? Jetzt werden die Mäuse den Kopf des Effendis fressen.«
Die Sklavin antwortete: »Ich weiß nicht, ob das nicht schon geschehn ist; er ist schon ganz klein.«