217.

EIn Sultan und Chalif von Bagdad pflegte die Verse, die ihm gebracht wurden, abzuwägen und nach ihrem Gewichte die Dichter zu bezahlen. Nun verfaßte ein Dichter, der diese Gewohnheit des Chalifen nicht kannte, einen Lobgesang auf ihn in der Absicht, ihn ihm zu überreichen. Da sagte ihm einer: »Du machst dir umsonst viel Mühe; weißt du denn nicht, wie es unser Padischah zu halten pflegt? Er bezahlt die Dichter nach dem Gewichte ihrer Werke.«

»Danke schön,« sagte der Dichter; und er schrieb ein Gedicht auf einen großen Marmorblock. Den ließ er von Leuten, die ihn an einem Barren aufhängten, zum Palaste bringen und ging selbst mit, um ihn dem Padischah darzubringen. Der Padischah, der sofort sah, worum es sich handelte, sagte zu seinem Wesir: »Jetzt gilt es, sich auf eine anständige Art aus dem Handel zu ziehen.«

»Wie das?« fragte der Wesir.

»Wir werden uns«, antwortete der Chalif, »mit tausend Golddukaten ausgleichen.«

218.

EInmal sagte ein Kaufmann zu seinem indischen Sklaven: »Vorwärts, wir gehn auf den Abtritt.«

Der Sklave füllte die Kanne mit Wasser97, sah aber sofort, daß sie ein Loch hatte, weil alles Wasser auslief; da sagte er zu seinem Herrn: »Herr, die Kanne hält kein Wasser; wasch dich also zuerst, und dann geh erst dein Bedürfnis verrichten.«

219.

EIner begegnete einmal einem Dämon, der auf seinen Schultern einen alten jüdischen Rabbi trug; und der Rabbi schlug und mißhandelte den Dämon und zwang ihn auszuschreiten. Und der Mann fragte ihn: »Warum trägst du einen, der dich schlägt und mißhandelt?«