»Nein, Königin meiner Seele; ich kenne auch keine andere als die bewegliche.«
»Die, die ich liebe,« sagte die Dame, »ist die Kriegsliebe.«
»Nach meiner Erfahrung«, antwortete der Kadi, »ist es die bewegliche, die den Preis verdient.«
Nun sagte die verschmitzte Schöne: »Nennen wir mein Schloß die Weiße Burg und deinen Schlüssel den Roten Prinzen. Wann ich mich niederlege, so daß die Weiße Burg zu sehn ist, laß du den Roten Prinzen hervorkommen; er soll die Weiße Burg angreifen, ohne viel Umschweife das Tor stürmen und als Sieger einziehen.«
Bei diesen Worten sagte sich der Hodscha: »Sie beabsichtigen also einen Krieg; aber es fehlt ihnen der Spielmann, der zum Sturme das Spiel schlüge: wann sie so weit sind, werde ich trommeln.«
Da legte sich auch schon die Dame auf den Rücken und die Weiße Burg bot sich den Blicken des Kadis; der holte unverdrossen den Roten Prinzen hervor und ließ ihn stürmen. Kaum war dann der Eingang erzwungen, machte Nasreddin seinem Sohne ein Zeichen und sagte: »Rühre die Trommel; es gibt keinen ordentlichen Sturm, ohne daß das Spiel geschlagen würde.«
Der Sohn nahm die Schlägel und begann den anbefohlenen Wirbel. Als der Lärm in dem Schranke losging, bekamen der Kadi und die Dame Angst: mit den Worten »Das ist kein gutes Zeichen« liefen sie aus dem Zimmer, und sie eilten durch den Vorsaal und blieben nicht eher stehn, als bis sie unten waren. Dann sahen sie einander ganz betäubt an, und ohne ein Wort herausbringen zu können, weil sie vor Bestürzung die Sprache verloren hatten.
Der Hodscha aber sah in diesem Abenteuer eine Gelegenheit, Beute zu machen. Er verließ den Bettschrank, öffnete die Truhe und bemächtigte sich der Kleider des Kadis und dessen Turbans; dann stieg er ohne Verzug die Leiter hinunter, ging in den Stall, wo das Maultier des Kadis neben seinem Esel stand, legte die Kleider in den Sack, übergab den Esel seinem Sohne, band für sich selber das Maultier los, verschwand aus dem Hause und eilte heim. Dort stellte er das Maultier ein, verschloß den Turban und die Kleider und setzte sich nieder.
Seine Frau fragte ihn: »Woher hast du diese Sachen und das Maultier?«
»Sie gehören mir; sie sind mir als Beute zugefallen.«