Der Hodscha holte sich einen Schlägel, ging damit wieder zum Kadi und sagte zu ihm: »Effendi, ist das ein richtiger Fliegenschlägel?«

»Freilich,« antwortete der Kadi; »der ist wahrhaftig geeignet, sie überall zu vertilgen, wohin sie sich setzen.«

Just in diesem Augenblicke liefen etliche Fliegen über den Kopf des Kadis; kaum sah sie der Hodscha, als er sie auch schon mit seinem Schlägel auf dem Kopfe des Kadis erschlug, wobei freilich auch der Kadi tot auf dem Platze blieb. Alsbald wurde der Hodscha verhaftet, und die Leute, die dort waren, fragten ihn: »Warum hast du unsern Kadi getötet?«

Und der Hodscha antwortete: »Wenn ich das Gesetz auch nur in einem Punkte verletzt habe, so lasse man mich die Strafe der Vergeltung erleiden.«

Sie führten ihn dem Mufti vor und dem sagte er: »Er hat mir gesagt, ich solle mit diesem Schlägel die Fliegen erschlagen, wo immer es sei; ich habe ihrer einige auf seinem eigenen Kopfe gesehn und habe sie erschlagen: er darf also, wenn er gestorben ist, niemand verantwortlich machen, als sich selber. Übrigens geschieht nichts, ohne daß es Gott zuließe. Das ist es, was ich vorzubringen habe.«

»Wo hast du denn schon«, fragte ihn der Mufti, »eine solche Rechtsprechung gesehn? Weißt du nicht, daß geschrieben steht: ›Wo keine böse Absicht ist, kann es keine Züchtigung geben?‹«

»Das ist es ja gerade, was mich rechtfertigt,« antwortete der Hodscha; »man hätte wahrhaftig keine Schriftstelle finden können, die mir günstiger gewesen wäre!«

281.

DEr Hodscha ging eines Tages ins Gebirge und belud seinen Esel mit Holz; dann sagte er zu ihm: »Nimm du diesen Weg, ich nehme den da.« Damit überließ er den Esel sich selber samt der Last, die er trug.

Als er nach einem eilig zurückgelegten Marsche nach Hause kam, fragte er seine Frau, ob der Esel schon daheim sei; aber sie sagte: »Ich weiß nichts von ihm.«