Vgl. oben die Nrn. 49, 46 und 66, ferner unten Nr. 141 und 382.
Eine serbische Erzählung (S. 137 ff.) lautet:
Eines Morgens stand der Hodscha Nasreddin sehr früh auf und wollte in Geschäften ins Dorf gehn. Die Nachbarn hatten sich aber besprochen, sich mit ihm einen kleinen Spaß zu machen. Als er sein Haus verließ, fragten sie ihn: »Wohin gehst du, Hodscha?«
»Ins Dorf.«
»Wie kannst du denn ins Dorf gehn, wo du doch gestern Abend gestorben bist? Wir sind gekommen, um dich wegzutragen und zu begraben, wie es unsere Pflicht als Nachbarn ist, und du willst ins Dorf!«
»Laßt mich nur gehn,« sagte Nasreddin; »wenn ich zurückkomme, dann meinetwegen.«
»O nein,« schrien alle; »wie könnten wir das zugeben? Geh sofort wieder heim, damit wir dich für das Begräbnis herrichten.«
Nasreddin konnte sich nicht von ihnen losmachen. Die Nachbarn wuschen ihn tüchtig, wie man einen Leichnam wäscht, legten ihn in einen Sarg und trugen ihn zur Moschee. Unterwegs begegnete ihnen ein Bekannter, ein gesetzter Mann; er hatte wenig Zeit und eilte in seinen Geschäften. Die Nachbarn wollten ihn zwingen, mit ihnen zu gehn, er aber entschuldigte sich, daß er eine notwendige Verrichtung habe, und Gott werde es ihm nicht verübeln, daß er an dem Leichenbegängnis nicht teilnehmen könne.
Aber das half ihm nichts, und als er sich durchaus losmachen wollte, hob der Hodscha den Kopf aus dem Sarge und sagte zu ihm: »Du versuchst vergebens, Freund, dich ihrer zu erwehren; das gelingt niemand. Ich habe wirklich eine wichtigere Arbeit gehabt als du; aber was tut das, wenn mich diese Horde nicht einmal reden läßt!«
Zu dem Motive vom eingebildeten Toten siehe weiter außer Bebel, I, S. 169 ff. (dazu hauptsächlich Clauvin, VIII, S. 98, ferner Rittershaus, S. 359 ff.) die Noten auf S. 265 ff. meiner Ausgabe von Morlinis Novellen, München, 1908 und die 149. Facetie Arlottos (II, S. 151 ff.); eine eigentümliche Variante bietet die 10. Adventure bei Mackenzie, The Marvellous Adventures and Rare Conceits of Master Tyll Owlglass, London, 1890, S. 50 ff.