Der Hodscha sagte: »Was ist deine Frage?«
»Also: anfangs ist der Mond klein; vierzehn Tage später wird er so groß wie ein Wagenrad, dann stirbt und verschwindet er. Hierauf kommt ein neuer und mit dem geht es ebenso. Was geschieht denn nun eigentlich mit den alten?«
Der Hodscha antwortete: »Das ist freilich eine schwierige Sache. Die alten Monde werden zerbrochen und man macht Blitze daraus: hast du noch nicht gesehn, wie sie, wann es donnert, zucken, ähnlich wie Schwerter?«
Der Schäfer anwortete: »Ausgezeichnet; du bist ein wahrer Weiser. Ich bin ganz und gar deiner Meinung.«
110.
ALs er einmal allein zu Hause war, grub der Hodscha ein Loch und verscharrte dort die kleine Summe Geldes, die sein Vermögen ausmachte. Dann ging er zur Tür, und dort sagte er sich: »Ich kenne den Platz; ich könnte mich daher selber bestehlen.« Er nahm also sein Geld wieder heraus und vergrub es an einer andern Stelle. Aber auch damit beruhigte er sich nicht; er kam und ging und sagte immerfort: »Das ist auch noch nicht das richtige.«
Nun war gegenüber von seinem Hause ein Hügel. Er ging in seinen Garten, schnitt sich dort eine Stange, tat sein Geld in ein Säckchen, band das oben an die Stange und pflanzte sie auf den Hügel. Dann stellte er sich unten hin, sah hinauf und sagte: »Die Menschen sind keine Vögel; dort oben kann es niemand erreichen: ich habe einen guten Ort gefunden.«
Aber ein schlechter Kerl hatte ihn beobachtet. Kaum hatte sich der Hodscha entfernt, so stieg der Kerl auf den Hügel, nahm das Säckchen von der Stange, beschmierte sie mit Kuhmist, pflanzte sie wieder auf und suchte das Weite.
Bald darauf brauchte der Hodscha Geld und lief zu seiner Stange; da sah er, daß das Geld weg war, während Spuren von Kuhmist über die Stange liefen. Und er schrie: »Ich habe gesagt, kein Mensch könne es dort oben erreichen, und jetzt ist eine Kuh hinaufgestiegen! Es ist wahrhaftig ein Wunder!« Und er sprach seinem Gelde das Totengebet: »Gottes Barmherzigkeit sei mit dir!«
111.